Dem Terror den Schrecken nehmen

Kommentar

Illustration: evangelisch.de/Simone Sass

Dem Terror den Schrecken nehmen
Die Kopten stehen auf der Abschussliste des IS. Trotzdem ziehen sie sich nicht ins Private zurück. Wenn der nächste Terroranschlag kommt, können wir uns ein Beispiel nehmen.

In Sankt Petersburg sterben 14 Menschen bei einer Bombenexplosion in der U-Bahn. In Stockholm fährt ein Attentäter vier Menschen tot. In Ägypten sterben mehr als 50 Menschen bei Bombenanschlägen auf koptische Kirchen in Tanta und Alexandria. Dazu insgesamt hunderte Verletzte.

Alles in der vergangenen Woche.

Aber die Menschen in den betroffenen Städten lassen sich "nicht beirren, nicht einschüchtern. Sie weigert sich, sich in Angst versetzen zu lassen", wie Christian Stöcker für "Spiegel" schrieb. Die Reaktion in Stockholm vor ein paar Tagen war eine "Liebeskundgebung", zu der Zehntausende in die Innenstadt gekommen waren. Bester Beleg dafür, dass die Terroristen dieser Tage doch nicht Angst und Schrecken verbreiten können: das tausendfach geteilte Foto einer Nachricht an einer Londoner U-Bahn-Station. Nach dem Auto-Anschlag vor dem Parlament am 22. März stand an der Hinweistafel: "Alle Terroristen seien freundlich daran erinnert, dass das hier London ist. Was immer ihr tut, wir werden Tee trinken und einfach weitermachen."

Für die Kopten in Ägypten gilt das mindestens schon seit Monaten. Denn sie stehen auf der Abschussliste des Islamischen Staates. Der IS hat den Kopten im Februar 2017 den Krieg erklärt. Aber schon vorher war die christliche Minderheit in Ägypten unter Druck. Spätestens seitdem der koptische Papst Tawadros II. beim Umsturz 2013 öffentlich die Gegner des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi unterstützte, hatten Kopten unter Angriffen der Muslimbruderschaft zu leiden. Die neue Verfassung nach dem Umsturz sicherte den Christen und Juden etwas mehr Religionsfreiheit zu, aber Kopten werden nach wie vor benachteiligt - bis dahin, dass die Feuerwehr ihr Haus nicht löscht, wenn es brennt.

Trotzdem gehen die Kopten in Ägypten in ihre Kirchen, feiern Gottesdienste, leben ihre Religion. In ihrer Situation braucht allein das schon Mut, was für uns in Deutschland selbstverständlich ist. Christen machen sich verletzlich, wenn sie dort wo sie verfolgt werden, ihren Glauben öffentlich zeigen. Dieser Mut ist bewundernswert.

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Von koptischen Christen in Ägypten hört man oft nur, wenn sie wieder Opfer von Anschlägen geworden sind. Dabei gehören die Kopten zu den ältesten Christen. Heute feiern sie ihren Karfreitag. Mehr Informationen zu ihrem Glauben, ihren Wurzeln und ihre Traditionen gibt’s hier.
Von koptischen Christen in Ägypten hört man oft nur, wenn sie wieder Opfer von Anschlägen geworden sind. Dabei gehören die Kopten zu den ältesten Christen. Heute feiern sie ihren Karfreitag. Mehr Informationen zu ihrem Glauben, ihren Wurzeln und ihre Traditionen gibt’s hier.

In Europa ist es sogar noch einfacher, damit umzugehen, dass Terrorismus mit Autos oder Bomben ein Stück weit Alltag geworden ist. Denn die konkrete Gefahr ist immer noch sehr klein. Die Mischung aus Gleichmut und Trotz, mit der die Menschen in London, Paris, Stockholm oder Sankt Petersburg den Folgen der Anschläge begegnen, nimmt dem Terror seinen Schrecken.

Aber der nächste schwere Anschlag des IS wird kommen - irgendwann, irgendwo. Denn wenn sich die Menschen nicht mehr terrorisieren lassen, müssen Terroristen, der Logik der Gewalt folgend, noch größere Bomben bauen. Nehmen wir uns gerade jetzt in der Passionszeit ein Beispiel an den Kopten in Ägypten, uns selbst dann das Leben und den Glauben nicht vermiesen zu lassen.