Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen sinkt

Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen sinkt
Mehr als jeder zweite Deutsche sieht eine Belastungsgrenze bei der Flüchtlingsaufnahme erreicht. Wie aus einer am Freitag in Gütersloh vorgestellten Studie der Bertelsmann Stiftung hervorgeht, wünschen sich viele eine gleichmäßigere Verteilung der Menschen in Europa. Während vor zwei Jahren noch 40 Prozent der Befragten Deutschland an der Grenze der Belastbarkeit sahen, sind es inzwischen 54 Prozent.

Besonders in den ostdeutschen Ländern hat die Skepsis der Studie zufolge zugenommen. Im Osten halten nur halb so viele Bürger (33 Prozent) Flüchtlinge für willkommenen wie im Westen (65 Prozent).

81 Prozent vertreten bundesweit die Ansicht, dass jedes EU-Land abhängig von Größe und Wirtschaftskraft eine feste Zahl von Flüchtlingen aufnehmen müsste. Die Menschen in Deutschland blickten selbstbewusst darauf zurück, so viele Flüchtlinge so freundlich empfangen zu haben, erklärte Jörg Dräger vom Vorstand der Bertelsmann Stiftung. "Sie sagen aber auch: Jetzt sind andere Länder ebenfalls an der Reihe."

Nach Einschätzung der Autoren der Studie muss die EU für mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung der Flüchtlinge sorgen. Zudem müssten die Kommunen stärker bei der Integration der Bleibeberechtigten unterstützt werden. Für die repräsentative Studie wurden im Auftrag der Bertelsmann Stiftung im Januar bundesweit mehr als 2.000 Menschen ab 14 Jahren befragt.

Helfer fühlen sich zunehmend überfordert

Positiver wird die Stimmung gegenüber qualifizierten Einwanderern eingeschätzt: In Ostdeutschland werden diese von rund jedem Zweiten (53 Prozent) als willkommen gesehen, in Westdeutschland bewerteten drei von vier Bundesbürgern (74 Prozent) Einwanderung positiv. Jedoch werde die Zuwanderung längst nicht mehr so positiv gesehen wie vor zwei Jahren, hieß es. Zugleich sahen mehr Befragte auch negative Auswirkungen, etwa Belastung für den Sozialstaat (79 Prozent), Konfliktpotenzial (72 Prozent), Probleme in den Schulen (68 Prozent) und eine Verschärfung der Wohnungsnot (65 Prozent).

Die Organisation Pro Asyl sieht indes nach wie vor ein großes Engagement für Flüchtlinge. Er sei positiv überrascht, dass viele Menschen, die bis 2015 nichts mit Flüchtlingen zu tun hatten, jetzt immer noch aktiv dabei seien, sagte Sprecher Bernd Mesovic dem Evangelischen Pressedienst (epd). Helfer fühlten sich aber zunehmend auch überfordert. "Ursachen dafür sind viele negativen Entscheidungen aus jüngster Zeit, wie etwa die Abschiebungen nach Afghanistan", sagte Mesovic. Viele Helfer hätten auch den Eindruck, sie kämpften gegen Windmühlen, weil sich der Wind in Richtung einer Abschiebekultur gedreht habe.

Bei aller gestiegenen Skepsis zeige sich Deutschland auch Anfang 2017 als eine Gesellschaft, die mehrheitlich für kulturelle Vielfalt offen sei, hießt es in der Bertelsmann-Studie. Migration sei für Deutschland nach wie vor eine Chance. Ohne Zuwanderung würde das Land perspektivisch angesichts einer älter werdenden Gesellschaft nicht zukunftsfähig bleiben.

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