Experte: Palliativmedizin findet schwer genug Fachpersonal

Sterbehilfe

Foto: epd-bild/Werner Krüper

Experte: Palliativmedizin findet schwer genug Fachpersonal
Der bundesweite Ausbau der Palliativmedizin erschwert nach Einschätzung des Bremer Palliativmediziners Hans-Joachim Willenbrink die Suche nach gut ausgebildeten Fachkräften.

"Wir haben zunehmend mehr Stationen, finden aber schwer Leute", sagte Willenbrink dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Chefarzt arbeitet am Bremer Krankenhaus Links der Weser und ist Initiator des Bremer Palliativkongresses, der an diesem Freitag in seiner zehnten Auflage beginnt. Zu dem zweitägigen Treffen werden mehr als 650 Teilnehmer erwartet.

Seit langem setzt sich Willenbrink dafür ein, die Palliativmedizin mit mehr ausgebildetem Personal und ausreichend Geldmitteln auszubauen. Früher sei sie ignoriert worden, mittlerweile komme niemand mehr an ihr vorbei, ist Willenbrink überzeugt. "Es hat sich viel getan. Die Palliativmedizin hat sich so weit etabliert, dass sich auch Abrechnungsmöglichkeiten ergeben haben." Nun komme es darauf an, mit der Quantität die Qualität zu halten und zu entwickeln. Das wäre über Zertifizierungen möglich, auf die Krankenkassen in Zukunft bei der Abrechnung von Leistungen bestehen könnten.

Auch in onkologischen und anderen medizinischen Zentren habe die Palliativmedizin mittlerweile ein hohes Gewicht. Doch überall gelte: "Eine vernünftige Arbeit muss überprüfbar sein. Und obwohl wir weit gekommen sind, sind noch Verbesserungen nötig wie etwa die Betreuung schwerstkranker Menschen in Pflegeheimen."

Auch an der Versorgung demenzkranker Menschen und an der frühzeitigen Einbindung von Patienten auf der Palliativstation müsse noch gearbeitet werden. Zwar bedeute ein früherer Aufenthalt auf der Station kein längeres Leben. "Aber psychosoziale Belange wie der Umgang mit der Krankheit und Ungereimtheiten im familiären System könnten besser besprochen werden."

 

Ein wichtiges Thema sieht Willenbrink auch im Umgang mit Patientenverfügungen, die trotz ihrer gesetzlichen Anerkennung 2009 weiter umstritten sind. Ein Problem sei die Frage, ob ältere Verfügungen in allen Details für den Patienten noch Gültigkeit hätten. Ein Ausweg könne das "Advance Care Planning" eröffnen, bei dem der Wille des Verfügenden nicht nur punktuell festgeschrieben, sondern wiederholt und unter wechselnden Bedingungen erfragt werde.