Stiftungsdirektor: Selfies im Stelenfeld sind akzeptabel

Zehn Jahre Holocaust-Mahnmal in Berlin

Foto: Ralf Maro

Stiftungsdirektor: Selfies im Stelenfeld sind akzeptabel
Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin ist die zentrale Holocaustgedenkstätte Deutschlands.

Der Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Uwe Neumärker, will nicht gegen Selfies von Besuchern des Denkmals einschreiten. Diese Aufnahmen seien heute "die Art der Aneignung der Welt" von jungen und mittlerweile auch älteren Menschen, sagte er SWRinfo am Freitag. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin ist die zentrale Holocaustgedenkstätte Deutschlands.  

Auch auf Friedhöfen und in KZ-Gedenkstätten werde fotografiert, sagte Neumärker dem SWR. Hier mache er jedoch einen Unterschied, denn eine KZ-Gedenkstätte sei ein Ort des Leidens und daher nicht vergleichbar mit einem abstrakten Kunstwerk wie dem Stelenfeld. 

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Selfies vom Mahnmal waren in die Diskussion geraten durch das Internetprojekt "Yolocaust" des jüdischen Künstlers Shahak Shapira. Er hatte Stelenfeld-Selfies kombiniert mit historischen Bildern aus Vernichtungslagern. Damit habe er die Erinnerungskultur hinterfragen wollen, schrieb Shapira auf "Yolocaust.de". Mittlerweile habe er sie von seiner Internetseite gelöscht. 

Neumärker nahm junge Menschen in Schutz, denen man "per se unterstellt, sie interessierten sich nicht für Geschichte". Er erlebe, dass sie sich sehr wohl interessierten für persönliche Geschichten über Opfer und darüber, wie Menschen sich in jener Zeit behauptet haben.