"Ich bin sehr besorgt, was da auf uns zukommt"

Petra Bosse-Huber

Foto: epd-bild/Norbert Neetz

Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber

"Ich bin sehr besorgt, was da auf uns zukommt"
Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber zur Wahl von Donald Trump
Viele Synodale, Kirchenleitende und Kirchenamts-Mitarbeiter sind an diesem Morgen in einer Art Schockzustand angesichts der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA. Trotzdem war Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber am Rande der Synodentagung kurzfristig zu einem Interview bereit.

Wie ist Ihre erste Reaktion, was sagen Sie zu diesem Wahlausgang?

Petra Bosse-Huber: Ich bin, wie wohl viele Menschen in Deutschland, aber auch in den Vereinigten Staaten, schockiert. Ich komme aus dieser Wolke auch mit dem Kopf noch überhaupt nicht raus. Ich bin sehr besorgt, was da auf uns zukommt. Ich denke, das wird nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch die ganze Welt verändern, und ich befürchte in eine Richtung, die ich von Herzen nicht will und von der ich denke, das widerspricht auch allem, für das die evangelischen Kirchen, für das viele Christen auf der Welt stehen. Das macht im Moment meine Stimmung aus und ich muss, glaube ich, erstmal wieder ans Licht zurückkrabbeln, im Moment bin ich noch etwas fassungslos.

Was befürchten Sie konkret, zum Beispiel für Minderheitenrechte, für sozial schwache Menschen, aber auch für die Religionsfreiheit in den USA?

Bosse-Huber: Also wenn nur die Hälfte der Wahlversprechen von Trump umgesetzt würden, würde das eine massive Verschlechterung der demokratischen Bedingungen in den USA bedeuten. Menschen mit Migrationshintergrund – und das sind in den Vereinigten Staaten eigentlich alle – sind rassistischen Anwürfen ausgesetzt worden. Minderheiten sind beleidigt worden. Frauen werden wieder zurück in ihre vermeintlich traditionelle Ecke gerückt. Also wenn davon nur die Hälfte Wirklichkeit würde, würde es Amerika in einer Weise verzeichnen… es würde mich sehr traurig machen.

Was bedeutet es für die Kirchen?

Bosse-Huber: Die Kirchen, vor allen Dingen unsere Partner in den Vereinigten Staaten – die lutherischen Kirchen, die United Church of Christ – stehen für ein anderes Bild vom Menschen, für ein anderes Bild von Freiheit und Gerechtigkeit. Ich glaube, dass deren Stand noch deutlich schwieriger wird. Das einzige, worauf man jetzt hoffen kann, ist, dass ein Stückchen Ernüchterung eintritt, denn große Teile der Wahl waren nicht eine Wahl für Trump, sondern aus meiner Sicht nach allen Gesprächen, die ich mit Freunden in Amerika geführt habe, eine Wahl gegen das Establishment, gegen Washington. Ich hoffe, dass Vernunft zurückkehrt. Als Christin hoffe ich auch, dass Menschen sich bekehren und dass selbst ein Donald Trump sich noch ändern kann. Hoffen wir es von Herzen.

Können Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen in ähnlichen Positionen in den anderen europäischen Ländern irgendetwas tun, um die Kirchen in den USA jetzt zu unterstützen?

Bosse-Huber: Solidarität! Ich denke, da gehen nicht nur bei mir heute Mails hin und her. Wir vergewissern uns nochmal, dass es dieses Netzwerk gibt, und zwar schon seit vielen Jahren, das muss man nicht erst erfinden, das funktioniert ja schon lange. Wir werden auf dieser Ebene engstens miteinander arbeiten und vermutlich angesichts des Ernstes der Situation in Zukunft noch viel ernster und noch viel verbindlicher als in der Vergangenheit.

Was wird Ihr erster Schritt heute sein, ganz konkret und praktisch?

Bosse-Huber: Ich werde vielen der Menschen, die ich dort kenne, auch in leitender Position, und deren politische und gesellschaftliche Überzeugung ich kenne, schreiben. Das wird einen Großteil des Tages heute einnehmen.