UN rechnen mit Flucht von einer Million Menschen aus Mossul

UN rechnen mit Flucht von einer Million Menschen aus Mossul
Erzdiakon Emanuel Youkhana ruft zum Gebet auf
Im Irak droht mit der beginnenden Schlacht um Mossul nach Angaben der Vereinten Nationen eine humanitäre Katastrophe.

Rund 1,5 Millionen Einwohner seien durch die aufziehenden schweren Kämpfe akut gefährdet, warnte das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) am Montag in Genf. Iraks Regierung will die seit 2014 von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) beherrschte Stadt im Norden des Landes zurückerobern.

Emanuel Youkhana, Erzdiakon der Assyrischen Kirche des Ostens, ruft alle Christen dazu auf, an die Menschen im Irak zu denken. "Lasst uns für den Schutz unschuldger Zivilisten beten. Lasst uns für den Schutz von Eigentum und Infrastruktur beten. Lasst uns auch für politische Stabilität nach der IS-Zeit beten - das ist die größte Herausforderung", schriebt Youkhana in einer Rundmail an alle Unterstützer. Der Erzdiakon, der in Wiesbaden lebt, engagiert sich bei der Hilfsorganisation "Christian Aid Program Northern Iraq" (CAPNI) für Flüchtende im Irak. 

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte unterdessen, dass bereits jetzt die Stabilisierung von Mossul nach der Befreiung vorbereitet werden müsse. "Wir haben auch hier den Vorschlag gemacht, schon jetzt zu Beginn der Offensive einen sogenannten Stabilisierungsrat Mossul einzurichten", sagte Steinmeier vor einem Treffen der EU-Außenminister am Montag in Luxemburg. Es gehe darum, Lebensbedingungen zu schaffen, unter denen die Zivilbevölkerung dort bleiben und dorthin zurückkehren könnte.

UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien warnte, die Offensive der irakischen Armee und ihrer Verbündeten könnte bis zu eine Million Menschen in die Flucht schlagen. Zehntausende wehrlose Männer, Frauen und Kinder seien dem Risiko ausgesetzt, von Extremisten des IS als lebende Schutzschilder missbraucht zu werden. Heckenschützen könnten wahllos Zivilisten töten.

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O'Brien betonte, dass die UN und ihre Partner Vorbereitungen für eine große Flüchtlingsbewegung getroffen hätten. Rund 60.000 Menschen könnten in bereits eingerichteten Flüchtlingscamps außerhalb Mossuls Schutz finden. Weitere Aufnahmelager für gut 250.000 Flüchtlinge würden bereitgestellt.

Iraks Armee wird bei ihrem Angriff auf Mossul von kurdischen Milizen und einer US-geführten Anti-Terrorismus-Allianz unterstützt. Laut UN-Funktionären könnte es Wochen oder Monate dauern, um Mossul von den Fanatikern des IS zu befreien.