Ein Jahr "Dieselgate": Umwelthilfe sieht "Züge organisierter Kriminalität"

Ein Jahr "Dieselgate": Umwelthilfe sieht "Züge organisierter Kriminalität"
Ein Jahr nach Bekanntwerden des Diesel-Abgasskandals hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ein ernüchterndes Fazit gezogen. Bisher sei noch kein einziges Diesel-Fahrzeug von den Herstellern freiwillig zurückgerufen worden, sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch am Mittwoch in Berlin.

"Die Automobilindustrie produziert munter weiter Fahrzeuge mit Abschalteinrichtungen und die Politik schaut zu und hilft konspirativ mit, dass die Automobilindustrie Recht brechen kann", sagte Resch. Am 18. September 2015 war der VW-Betrugsskandal in den USA bekanntgeworden, der umfangreiche Untersuchungen auslöste und zu dem inzwischen "Dieselgate" genannten Abgasskandal führte.

Fahrzeuge aller namhaften Hersteller überschritten die Grenzwerte - teilweise um das bis zu 25-Fache, sagte Resch. Die aufgedeckten Temperaturabschaltmodelle führten bei einzelnen Modellen dazu, dass diese bei bis zu 90 Prozent der Betriebszeiten keine Abgasreinigung hätten. Resch sprach mit Blick auf das Verhalten der Automobilindustrie angesichts der aufgedeckten Manipulationen von "Zügen einer organisierten Kriminalität".

Kritik am Bundesverkehrsminister

Die Schadstoffemissionen führten in den Städten zu enormen gesundheitlichen Problemen und medizinischen Folgekosten. Umso verwunderlicher sie die Inaktivität von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Nötig sei eine "schonungslose Aufklärung" des "Dieselgate"-Skandals. "Es muss endlich Licht ins Dunkel kommen", sagte Resch.

Der Verkehrsexperte Axel Friedrich nannte es einen Skandal, dass erst durch Untersuchungen eines Umweltverbandes und von Privatpersonen immer mehr Ergebnisse vorliegen und Grenzwertüberschreitungen und Manipulationen belegten: "Es wäre eigentlich Aufgabe des Staates, seine Bürger zu schützen und solche Messungen vorzunehmen und zu veröffentlichen", sagte er.