Hessische Beratungsstelle kämpft erfolgreich gegen Salafismus

Mit dem Problem des Salafismus befasst sich ein von Schülern gemaltes Plakat, welches am 06.07.2016 an einer Schule in Wiesbaden zu sehen ist.

Foto: dpa/Boris Roessler

Schülerprojekt gegen Salafismus an einer Schule in Wiesbaden.

Hessische Beratungsstelle kämpft erfolgreich gegen Salafismus
Die "Beratungsstelle Hessen - Religiöse Toleranz statt Extremismus" hat in den zwei Jahren ihres Bestehens mit 104 radikalisierten jungen Muslimen einen Prozess der Entradikalisierung begonnen.

"Die Mehrzahl konnten wir aus dem Salafismus lösen", sagte der Projektkoordinator Cuma Ülger am Montag in Frankfurt am Main. Außerdem hätten die mittlerweile 16 Mitarbeiter 119 Angehörige beraten und 104 Workshops an Schulen gegen extremistische Bestrebungen gehalten. Anlass war die Auszeichnung durch die Initiative "Deutschland - Land der Ideen".

Junge Muslime, die in extremistische Kreise abglitten, seien in der Regel in einer Identitätskrise, erläuterte Ülger. Die große Mehrzahl habe keinen Vater, viele fühlten sich als Versager und suchten Orientierung und Halt. Sie fänden keinen Zugang zu Moscheegemeinden, da diese keine professionellen Strukturen hätten und die meisten Imame aus dem Ausland kämen. So fragten die Jugendlichen "Scheich Imam Google", der sie zu attraktiv gemachten Internetseiten von Extremisten führe.

"Wir überzeugen nicht, wir verwirren"

Das Problem junger Radikaler sei weniger religiöser, sondern mehr psychosozialer Natur, betonte Ülger. Wenn Familienangehörige oder Lehrer meinten, dass etwa das neue Kopftuch das Problem sei, sei dies ein Missverständnis. Und wenn sie ablehnend reagierten, verstärke dies die Radikalisierung. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle Hessen, eingebunden in das Hessische Präventionsnetzwerk gegen Salafismus, reisten durch das Land und sprächen die Jugendlichen auf Augenhöhe an: "Bruder, Salam Aleikum." Als Muslime könnten sie Vertrauen aufbauen und sogar zu Vorbildern werden.

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"Wir überzeugen nicht, wir verwirren", erklärte der Projektkoordinator. Die Mitarbeiter stellten radikale Parolen infrage, vermittelten Wissen über den Islam und wollten zu kritischem Denken anleiten. Die Gespräche fänden alle auf freiwilliger Grundlage statt. Die Beratungsstelle habe junge Leute von der Ausreise in den Syrienkrieg abgehalten und zurückgekehrte Dschihadisten bei der Resozialisierung unterstützt. "Wir brauchen mehr Bildung und mehr Aufklärung", sagte Ülger. So sollten angehende Lehrkräfte und Justizbedienstete lernen, eine Radikalisierung in frühem Stadium zu erkennen und Hilfe anzufordern.

Die Beratungsstelle Hessen war die erste von einem Bundesland gegründete Präventionsstelle gegen Salafismus. Sie wird von dem Verein "Violence Prevention Network" getragen und in diesem Jahr vom Hessischen Innenministerium mit 1,2 Millionen Euro finanziert. In Hessen gibt es nach Angaben des Verfassungsschutzes 1.650 Salafisten, die junge Leute rekrutierten und rasch an Zahl zunähmen.