Carlos Antônio Ferreira: "Bleibt diesmal etwas Gutes für das Volk?"

Carlos Antônio Ferreira

Foto: Isabela Pacini

Carlos Antônio Ferreira

Carlos Antônio Ferreira: "Bleibt diesmal etwas Gutes für das Volk?"
Olympia 2016 - Eindrücke aus Rio
Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 hatten wir Menschen in Brasilien gefragt, wie es ihnen mit der Großveranstaltung geht. Sie erzählten von Armut, Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung. Zwei Jahre später, zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016, hat die Fotografin Isabela Pacini einige von ihnen wiedergetroffen. Carlos Antônio Ferreira profitiert zumindest von den Verbesserungen im Straßenverkehr.

Carlos Antônio Ferreira bedauert immer noch, dass er kein Spiel der Weltmeisterschaft 2014 im Stadion erleben konnte. Die olympischen Spiele am Fernseher zu erleben reichen ihn diesmal vollkommen aus. Der 51-Jährige Fußballfan aus Rio de Janeiro leidet sehr darunter, dass der Fußball und andere sportliche Großereignisse für ihn und die meisten Brasilianer unerschwinglich sind. 2014 hatte er prophezeit: "Ein durchschnittlicher Arbeiter wie ich wird nie wieder ins Maracanã gehen können."

Genau so ist es gekommen. Carlos ist nie wieder dort gewesen. Der Privatisierungsprozess des Maracanã-Stadions ist trotz aller Korruptions- und Geldschmier-Vorwürfe abgeschlossen worden. Selbst für die Spiele der brasilianischen Liga sind die Eintrittspreise extrem teuer geworden. Die lebendige, temperamentvolle und von allen sehr beliebte Bundesliga findet nun beinah gespenstisch vor halb leeren Stadien statt. Für die Eröffnung der Olympischen Spiele durfte das Maracanã-Stadion wieder glänzendas ganze Land war sehr stolz auf die Feier. "Es war wirklich überraschend schön! Mich hat es sehr gerührt zu sehen, dass das Maracanã der Welt solche Emotionen präsentiert."

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Carlos war bei der WM 2014 der Überzeugung, dass korrupte Politiker und reiche Unternehmen am Ende großen Gewinn gemacht haben. 2016 spielen vor allem die Unternehmen im Bereich Transport die größte Rolle. Allerdings sind die Neuerungen in der Stadt in erster Linie für das Wohl der Touristen und nicht der Einwohner der Stadt konzipiert: Die historische Tram von Santa Tereza ist restauriert worden, der wichtigste Zubringer der Stadt "Avenida Brasil" ist deutlich verbessert worden. Eine neue Autobahn, die "Transolímpica", wurde gebaut, um die Stadtteile Barra und Deodoro zu verbinden, denn in beiden finden sportliche Veranstaltungen statt. "Zum Glück liegen sie weit voneinander entfernt, so kann die Transolímpica tatsächlich vielen Menschen helfen", sagt der Portier, der täglich einen Arbeitsweg von circa vier Stunden hat, je nach Verkehr…

Carlos sagt schließlich: "Die Regierung hat uns 2014 zutiefst enttäuscht. 2016 bleibt noch ein Funken Hoffnung, dass all diese Veränderungen und Erneuerungen dauerhaft etwas positives hinterlassen."

Zur Serie: "Olympia 2016 - Eindrücke aus Rio"

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Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 hatten wir Menschen in Brasilien gefragt, wie es ihnen mit der Großveranstaltung geht. Sie erzählten von Armut, Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung. Wie ist ihre Lage heute, während der Olympischen Spiele?