Nach Streit um Frauenordination: Lettische Gemeinde kämpft um ihre Kirche

Nach Streit um Frauenordination: Lettische Gemeinde kämpft um ihre Kirche
Die evangelische Kreuzkirchengemeinde im lettischen Liepāja steht ohne Kirche da. Nach der Abschaffung der Frauenordination hatte die Gemeinde aus Protest die Lettische Evangelisch-Lutherische Kirche (LELB) verlassen. Diese ließ die Schlösser der Kirche austauschen und verwehrt dem Pastor und der Gemeinde den Zugang.

Wie die "Lettische Presseschau" berichtet, erschien die Anwältin der LELB am 10. Juli auf einer Gemeindeversammlung der Kreuzkirchengemeinde. Nach Aussage von Pastor Martin Urdze wollte sie allerdings weder als Gast daran teilnehmen, noch die Versammlung verlassen. Daraufhin verließen die Anwesenden, mit Ausnahme einer kleinen Minderheit, die Kirche und tagten in den Räumen der deutschen lutherischen Gemeinde Liepājas weiter. Noch währenddessen ließ die Juristin die Schlösser austauschen. Das konnte sie, weil sie selbst inzwischen im Unternehmensregister, das in Lettland auch für Kirchen zuständig ist, als Leiterin der Gemeinde eingetragen war. Das hatte die  Lettische Evangelisch-Lutherische Kirche (LELB) veranlasst.

Gegen die Eintragung der neuen LELB-Leitung hat die Kreuzkirchengemeinde Widerspruch eingelegt. "Wir sind mit diesem Beschluss nicht einverstanden und halten ihn für absolut rechts- und verfassungswidrig", heißt es in einer Stellungnahme von Pastor Martin Urdze und Gemeindevorsteherin Anita Rupeika vom 1. Juli 2016.

Die Kreuzkirchengemeinde hatte sich nicht aufgelöst, sondern mehrheitlich den Beschluss gefasst, zur Lettischen Evangelisch-Lutherischen Kirche außerhalb Lettlands (LELBAL) überzutreten. Das ist die Exilkirche, die seit kurzem wieder mit einer Propstei in Lettland vertreten ist und die die Frauenordination zulässt. Den Übertritt hat die Kreuzkirchengemeinde ebenfalls beim Unternehmensregister beantragt.

Geklärt werden muss nun, ob die LELB trotz des Übertritts Anspruch auf das Kirchengebäude in Liepāja hat. Pastor Urdze sagte auf Anfrage von evangelisch.de, für den Fall der Auflösung der Gemeinde sei tatsächlich in einer Satzung aus dem Jahr 2008 festgehalten, dass dann ihr Eigentum an die LELB zurückfalle. Die "Lettische Presseschau" zitiert eine Aussage der LELB-Anwältin im lettischen Rundfunk, die Gemeindesatzung sehe vor, "dass im Falle einer Auflösung oder einer Beendigung der Zusammenarbeit mit LELB eine Verwaltungskommission eingesetzt werde und LELB den Besitz übernehme".

"Eine Warnung an andere Kirchengemeinden"

Dagegen argumentiert die Kreuzkirchengemeinde in ihrer Stellungnahme, die LELB könne "weder historisch, noch moralisch" einen Anspruch auf ihr Eigentum geltend machen. Die Kirche und das Gemeindehaus seien "in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts von der Evangelischen Gemeinschaft, die sich später mit der Methodistischen Kirche vereinigte, gebaut worden". Allein in den letzten Jahren seien mehr als 100.000 Euro in die Renovierung der Gebäude investiert worden. Ein Großteil davon seien Spenden aus Deutschland gewesen.

Die Kreuzkirchengemeinde befindet sich in Verhandlungen mit dem Unternehmensregister und bereitet sich darauf vor, den Streit vor Gericht auszutragen. Solange es keine Entscheidung gebe, feiere man die Gottesdienste im Diakoniezentrum: "Es ist ein bisschen eng, aber es geht", sagte Pastor Urdze. Im Vorgehen der LELB-Leitung sieht er "eine Warnung an alle anderen Kirchengemeinden, nicht einfach wegzugehen". Der Bischof der LELB, Janis Vanāgs, hat auf eine Anfrage von evangelisch.de bisher nicht reagiert.

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