Untreueverdacht gegen Mitarbeiter von Kinderhilfsorganisation

Untreueverdacht gegen Mitarbeiter von Kinderhilfsorganisation
Ein palästinensischer Mitarbeiter der internationalen Kinderhilfsorganisation "World Vision" im Gazastreifen soll 60 Prozent des jährlichen Budgets für Projekte veruntreut und an die radikalislamische Organisation "Hamas" weitergeleitet haben.

Die Gelder der Hilfsorganisation in Höhe von 7,2 Millionen US-Dollar seien zum Tunnelbau und zum Waffenkauf verwendet worden, teilte die israelische Botschaft am Freitag in Berlin mit. Dies hätten Untersuchungen des israelischen Inlandsgeheimdienstes ergeben. Der Mann sitze derzeit in Haft. 

Die Kinderhilfsorganisation mit Sitz in Friedrichsdorf im Taunus zeigte sich tief betroffen über die Vorwürfe. "Wir sind ziemlich schockiert", sagte die Pressesprecherin Silvia Holten dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bisher hätten die israelischen Behörden dafür aber keine Beweise vorgelegt. Außerdem lägen der Organisation trotz strengster Kontrollen keine Hinweise auf Veruntreuungen vor. Deshalb gelte für den Mitarbeiter bis zu seiner Verurteilung anhand klarer Beweise die Unschuldsvermutung.

Nach den Angaben Holtens wurde der Leiter für die Hilfsprojekte im Gazastreifen am 15. Juni auf dem Weg von der Arbeit nach Hause beim Grenzübertritt festgenommen. Nach 50 Tagen Haft sei er erst am Donnerstag angeklagt worden, die Hamas unterstützt zu haben. Er habe vier Wochen auf einen Rechtsbeistand verzichten müssen, sagte Holten. Inzwischen habe ein Rechtsanwalt Zugang zu ihm. Alle Beteiligten arbeiteten mit Hochdruck daran, die Sache aufzuklären. Alle Überweisungen nach Gaza seien gestoppt worden. 

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World Vision arbeite nach humanitären Prinzipien und distanziere sich ausdrücklich von allen politischen, militärischen sowie terroristischen Aktivitäten, fügte Holten hinzu. Die Organisation arbeite seit 40 Jahren im Gazastreifen. Zurzeit würden dort 40 Kinderschutzzentren unterhalten, in denen rund 10.000 Kinder betreut würden, darunter viele mit Traumatisierungen. Außerdem würden Bildungs- Gesundheits- und Landwirtschaftsprojekte unterstützt. Das Jahresbudget für Gaza habe in den vergangenen zehn Jahren zwischen vier und sechs Millionen US-Dollar gelegen, sagte Holten.

Von dem Untreueverdacht gegen den Mitarbeiter von World Vision sei auch die Bundesregierung betroffen, weil sie die Hilfsorganisation aus Steuermitteln unterstütze, erklärte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck in Berlin. Das Auswärtige Amt müsse die Mittelvergabe und Mittel-Verwendung an World Vision dringend überprüfen, forderte er. "Es darf keine indirekte Unterstützung der Hamas aus deutschem Steuergeld geben."