Simbabwes Kirchen warnen Präsident Mugabe vor Unruhen

Simbabwes Kirchen warnen Präsident Mugabe vor Unruhen
Die Kirchen in Simbabwe drängen Präsident Robert Mugabe (92), schnell etwas gegen die zunehmend aussichtslose Lage vieler Menschen zu unternehmen.

Wenn nichts geschehe, drohten dem Land demnächst Unruhen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung aller großen Kirchen, aus der die regierungskritische Zeitung "NewsDay" am Donnerstag zitierte. In Simbabwe finden seit Anfang Juli fast täglich Demonstrationen statt, auch zu gewaltsamen Ausschreitungen kam es bereits.

"Die Klagen müssen als frühes Anzeichen gesehen werden, die auf unterschwellige und brodelnde Spannungen hindeuten", erklärte die katholische Bischofskonferenz, mehrere Freikirchen und der Simbabwische Kirchenrat mit seinen 26 Mitgliedern, darunter die Anglikanische, die Evangelisch-Lutherische und die Methodistische Kirche. "Die Regierung sollte dringend handeln und die Ängste der Bürger ernst nehmen, um ein völliges Auseinanderfallen des Staates zu verhindern." Andernfalls drohten Unruhen.

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Die Kirchen kritisierten das gewaltsame Auftreten der Polizei gegen Demonstranten und riefen zu einem nationalen Dialog auf. "Die Bürger haben das Vertrauen in unsere Regierung verloren", heißt es in der Erklärung. Sie äußerten sich darin auch kritisch über die Einschüchterung von Geistlichen und Kirchenvertretern, die sich gegen Mugabe und seine autokratische Regierung wendeten.

Mugabe regiert Simbabwe seit der Unabhängigkeit 1980. Er steht wegen der Unterdrückung kritischer Stimmen, der Vertreibung weißer Farmer und Übergriffen auf Journalisten in der Kritik.

Einer der Anführer der Proteste ist Pfarrer Evan Mawarire, der die Kampagne "#ThisFlag" initiierte, die in sozialen Medien begann und inzwischen auch von Oppositionsgruppen und zivilgesellschaftlichen Organisationen mitgetragen wird. Mawarire war wegen seiner Protest-Aufrufe vergangene Woche zeitweise festgesetzt worden. Simbabwe steht seit einer Hyperinflation, die 2008 und 2009 ihren Höhepunkt erreichte, wirtschaftlich am Abgrund.