Ruhiges Gedenken an Loveparade-Katastrophe vor sechs Jahren

Ruhiges Gedenken an Loveparade-Katastrophe vor sechs Jahren
Sechs Jahre nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg finden die diesjährigen Gedenkveranstaltungen in einem stilleren Rahmen statt.

Am Vortag des Jahrestages werde es einen Gedenkgottesdienst in der evangelischen Salvatorkirche geben und eine Andacht im Unglückstunnel, an der nur die Eltern der Getöteten sowie die überlebenden Verletzten teilnehmen können, sagte der Vorsitzende der "Stiftung-Duisburg-24-7-2010", Jürgen Thiesbonenkamp, am Montag in der Ruhrgebietsstadt. Beide Veranstaltungen seien auf Wunsch der Angehörigen nicht öffentlich.

Bei der Katastrophe am 24. Juli 2010 waren im Gedränge und in einer Massenpanik 21 Menschen ums Leben gekommen, mehrere hundert Menschen waren teilweise schwer verletzt worden. Die seit der Katastrophe stattfindende "Nacht der 1.000 Lichter" wird in diesem Jahr auf Sonntag, den 24. Juli verlegt. Die öffentliche Veranstaltung wird laut Thiesbonenkamp um 17 Uhr an der Gedenkstätte stattfinden. Der Unglückstunnel selbst werde an diesem Tag für den Straßenverkehr bis 23 Uhr gesperrt, kündigten die Verantwortlichen der Stiftung an.

Thiesbonenkamp sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), sein Ideal für künftige Gedenktage sei "eine Veranstaltung für Eltern und Betroffene, Angehörige und Menschen der Duisburger Stadtgesellschaft, die der Loveparade-Katastrophe als eine Art Erinnerungsgemeinschaft" gedenken. Aufgabe der Stiftung sei es weiterhin, "immer wieder Mut zuzusprechen und dafür zu sorgen, dass sich eine ähnliche Katastrophe nicht mehr wiederholen kann". Die Angehörigen der Getöteten werden - wie in den Vorjahren auch - von der Stadt und Notfall-Seelsorgern der beiden großen christlichen Kirchen betreut.

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Auch nach zehn Jahren beschäftigt das Loveparade-Unglück nach Worten des Notfallseelsorgers Richard Bannert die Opfer und Angehörigen. "Die Seelsorge hört nie auf in einem solchen Fall", sagte der Seelsorger der rheinischen Landeskirche am Freitag im WDR5-"Morgenecho".
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Dieter Widera vom Vorstand der Stiftung bekräftigte den Wunsch aller Angehörigen und Überlebenden nach einer juristischen Aufarbeitung des Dramas vom 24. Juli 2010. Wenn das nicht möglich sein sollte, dann sei es "eine Frage der Gerechtigkeit", das eine Aufklärung auf anderem Wege erfolge.

Über die Eröffnung eines Strafprozesses will demnächst das Oberlandesgericht in Düsseldorf entscheiden. Zuvor hatte das Landgericht Duisburg die Eröffnung des Strafprozesses abgelehnt. Zur Begründung hieß es, die Beweisführung der Anklagebehörde sei zu schwach und das zentrale Gutachten zu schlecht. Die Staatsanwaltschaft wirft vier Mitarbeitern der Veranstalterfirma Lopavent und sechs Bediensteten der Stadt Duisburg unter anderem fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor.

Am 24. Juli 2010 waren bei einer Massenpanik auf der Loveparade 21 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 500 verletzt worden. Hunderttausende Techno-Fans waren nach Duisburg gekommen, um auf dem Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofs zu feiern. Als der einzige Zu- und Abgang zum Gelände wegen Überfüllung zeitweise geschlossen wurde, brach eine Massenpanik aus.