Extremismus-Experte Mansour fordert Selbstkritik von Islamverbänden

Extremismus-Experte Mansour fordert Selbstkritik von Islamverbänden
Der Extremismus-Experte Ahmad Mansour hat die Islamverbände in Deutschland aufgefordert, ihr Verhältnis zum radikalen Islam kritisch zu hinterfragen.

Die Verbände müssten sich die Frage stellen, "wie das Ungeheuer Islamismus unter uns entstehen konnte", sagte der Psychologe am Freitagabend in Dortmund. Konservative muslimische Kräfte in Deutschland bereiteten Extremismus durch eine fehlende kritische Betrachtung des Korans und religiöser Vorschriften einen Nährboden.

Zugleich erklärte der in Israel geborene Palästinenser, eine Radikalisierung von Jugendlichen habe nicht nur religiöse, sondern auch psychologische Ursachen. "Der überwiegende Teil derer, die sich dem Islamismus anschließen, sehnt sich nach einer starken Vaterfigur, die er in seiner Kindheit nicht kennengelernt hat", sagte der Autor des Buches "Generation Allah". Mansour arbeitet in der Berliner Beratungsstelle Hayat, die die Radikalisierung von Jugendlichen zu verhindern sucht und zurzeit nach Angaben des Psychologen rund 300 Fälle betreut.

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Fast immer suchten die Jugendlichen Orientierung, sagte Mansour. Die Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeiten bei Salafisten oder der Einsatz im Irak oder Syrien vermittele ihnen zumindest anfangs ein neues Selbstwertgefühl. Das wandele sich oftmals, wenn die Jugendlichen an der Front eingesetzt würden und um ihr eigenes Leben fürchteten.

Den Salafisten in Deutschland attestierte Mansour, "die besseren Sozialarbeiter zu sein". Oft warteten sie in der Nähe von Schulen, passten Jugendliche an Spielkasinos ab oder seien vor Ort, wenn Straftäter aus der Haft entlassen werden. Vielen deutschen Sozialarbeitern bescheinigte Mansour dagegen Nachholbedarf bei Themen des interkulturellen Miteinanders oder der religiösen Sozialisation.