Gefängnisseelsorger dringen auf bessere Standards in U-Haft

Die Sonne scheint durch ein vergittertes Zellenfenster des Gefängnisneubaus Heidering südlich von Berlin.

Foto: dpa/Tim Brakemeier

Gefängnisseelsorger dringen auf bessere Standards in U-Haft
Der bundesweite Zusammenschluss evangelischer Gefängnisseelsorger hat sich besorgt über bestehende Mängel in der Untersuchungshaft geäußert und eine Verbesserung der Rahmenbedingungen in den 16 Bundesländern gefordert.

Mit Blick auf die in der Untersuchungshaft geltende Unschuldsvermutung müssten die in den Ländergesetzen festgehaltenen Mindeststandards konsequent eingehalten werden, mahnte die Evangelische Konferenz für Gefängnisseelsorge in Deutschland nach Abschluss ihrer Jahrestagung am Dienstag in Berlin. Alle Maßnahmen in der U-Haft müssten sich an dem Ziel orientieren, persönliche und soziale Schädigungen durch die Haft zu vermeiden.

Ein entsprechender Beschluss wurde auf der 67. Jahreskonferenz der Gefängnisseelsorger am Seddiner See in Brandenburg gefasst. Er soll nun an Justizbehörden und Landeskirchen herangetragen werden. In dem Beschluss weist die Evangelische Konferenz für Gefängnisseelsorge darauf hin, dass für die Untersuchungshaft geltende Mindeststandards zwar in den 16 Ländergesetzen zum Teil recht ähnlich geregelt seien. Jedoch seien die praktischen Ausführungen und Umsetzungen für die Inhaftierten oft selbst in verschiedenen Haftanstalten desselben Bundeslandes sehr unterschiedlich.

Mehr zu Seelsorge
tröstende Hände halten andere Hände
Wertvoll, heilsam, professionell: Die kirchliche Seelsorge hat ein hohes Renommee. Angesichts des Mitgliederschwunds denkt die rheinische Kirche darüber nach, wie diese wichtige Arbeit künftig geleistet werden kann.
Pfarrer Bernd Bazin vor der zerstörten Fußgängerbrücke nach der Flutkatastrophe vom Juli 2021 im Ahrtal
"Die Flut hat meinen ursprünglichen Job weggespült", sagt Bernd Bazin. Der evangelische Pfarrer und Seelsorger war Anfang 2020 eigentlich für das Projekt "Kirche auf der Landesgartenschau" an die Ahr gekommen.

Verbesserungen und Vereinheitlichungen seien insbesondere nötig bei der Erstinformation über Rechte, Pflichten und Möglichkeiten in der Untersuchungshaft in Muttersprache, leichter Sprache oder Bildersprache. Auch müsse die Kommunikation der Inhaftierten mit Angehörigen, Partnern und Kindern gewährleistet bleiben. Weitere Forderungen in dem Beschluss betreffen den Zugang zu Rundfunk, Fernsehen und Presse sowie die Gewährleistung des Grundrechtes auf freie Religionsausübung.