Ecuador: Zahl der Toten nach Erdbeben steigt auf mehr als 270

Menschen stehen nach dem Erdbeben vor beschädigten und eingestürzten Gebäuden in Pedernales, Ecuador.

Foto: dpa/Jose Jacome

Der Badeort Pedernales wurde durch das Erdbeben laut lokalen Medienberichten fast vollständig zerstört.

Ecuador: Zahl der Toten nach Erdbeben steigt auf mehr als 270
Nach dem schweren Erdbeben der Stärke 7,8 ist die Zahl der Opfer in Ecuador weiter gestiegen. Mindestens 272 Menschen seien ums Leben gekommen, teilte Präsident Rafael Correa am Sonntagabend (Ortszeit) mit. Mehr als 2.500 Menschen seien verletzt worden. Hunderte Menschen werden noch vermisst.

Die Zahl der Opfer werde sicherlich weiter steigen, sagte der Staatschef, der nach der Rückkehr aus Europa direkt in die betroffene Küstenregion gereist war. Er nannte das Beben die größte Tragödie der vergangenen 67 Jahre. "So groß der Schmerz ist, noch größer ist der gemeinsame Geist unseres Volkes", betonte Correa und rief das Land zur Einheit auf.

Die Regierung hatte bereits am Samstag den landesweiten Ausnahmezustand verhängt und mobilisierte rund 14.000 Sicherheitskräfte. Zwei mobile Krankenhäuser, mehr als 100 Ärzte und medizinisches Personal wurden in die am stärksten zerstörten Provinzen Manabí und Esmeraldas entsandt, wie die Behörde für Risikomanagement mitteilte. In sechs Provinzen wurde der Notstand ausgerufen.

Ausmaß der Schäden noch unklar

Das Beben hatte sich am Samstagabend (Ortszeit) vor der ecuadorianischen Küste ereignet und gilt als eines der stärksten der vergangenen Jahrzehnte. Es erschütterte auch die Hauptstadt Quito, die rund 170 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegt. Bis zum Sonntagabend gab es nach offiziellen Angaben mehr als 230 Nachbeben. Nur das Erdbeben von Ambato 1949 sei schlimmer gewesen, sagte Correa. Damals starben laut Geophysischem Institut mehr als 6.000 Menschen.

Aktuell ist die Küstenprovinz Manabí am stärksten betroffen. Der Badeort Pedernales mit rund 40.000 Einwohnern liegt im Epizentrum und wurde laut lokalen Medienberichten fast vollständig zerstört. Landesweit waren zentrale Straßen beschädigt und gesperrt, was die Versorgung der Verletzten erschwerte. Viele Orte waren am Sonntagabend noch ohne Strom, wie die Zeitung "El Comercio" berichtete. Das gesamte Ausmaß der Schäden ist noch unklar. In Guayaquil, der bevölkerungsreichsten Stadt des Landes, stürzte unter anderem eine Brücke ein und begrub zwei Autos unter sich.

Mehr zu Ecuador
Angesichts der anhaltend hohen Zahl von Migranten aus Venezuela beraten mehrere lateinamerikanische Staaten ab Montag über die Flüchtlingskrise. "Wir haben ein ernsthaftes Problem in der Region", sagte Ecuadors stellvertretender Migrationsminister Santiago Chávez.
Das abgeschiedene Dorf Salinas in den ecuadorianischen Anden liegt in rund 3.500 Metern Höhe. Es gilt heute als Paradebeispiel gelungener Entwicklungshilfe.

Unterdessen lief die internationale Hilfe an. Die Europäische Union hatte am Sonntag rasche finanzielle und technische Hilfe in Aussicht gestellt. Auch die Ecuadorianer starteten Hilfsaktionen. Konvois mit Lebensmitteln, Wasser, Kleidung und Medikamenten verließen am Sonntagabend die Hauptstadt Quito.

Ecuador liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring. Kontinental- und Ozeanplatten stoßen aufeinander. Erdstöße sind keine Seltenheit. Am Samstag hatte sich nach Angaben der US-Erdbebenwarte die Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte geschoben und das Beben ausgelöst.