Osterbotschaften der Kirchen: Freude am Leben nicht verlieren

Osterbotschaften der Kirchen: Freude am Leben nicht verlieren
Trotz Terroranschlägen, weltweiter Gewalt und Flüchtlingskrise nicht die Zuversicht auf eine bessere Zukunft aufgeben: Diese Botschaft haben die christlichen Kirchen an Ostern in den Mittelpunkt gestellt.

Die Spirale von Terror und Gewalt durchbrechen: Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben in ihren Osterbotschaften zu Zuversicht ermutigt. Viele Bischöfe warnten angesichts zunehmender Unsicherheiten vor Resignation. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, rief in einem ZDF-Fernsehgottesdienst am Ostersonntag in Fürth dazu auf, die Zeichen der Hoffnung nicht zu übersehen. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, forderte die Christen auf, Hoffnung in die Welt zu tragen.

Beispiele der Hoffnung seien unter anderem der teilweise Waffenstillstand in Syrien oder die Ergebnisse der Klimakonferenz in Paris, fügte Bedford-Strohm hinzu. Dazu gehöre auch die Hilfsbereitschaft und Empathie der Deutschen für Flüchtlinge, "die uns bis vor kurzem keiner zugetraut hat". Die biblische Botschaft von Ostern sei eine "große Hymne der Hoffnung", sagte Bedford-Strohm, der auch bayerischer Landesbischof ist.

Kardinal Marx räumte in seiner Osterbotschaft ein, Terror und Gewalt könnten nicht durch eine "einfache Hoffnungsrhetorik" überwunden werden. Deswegen müssten die Christen mit ihrem Leben einstehen für die Glaubwürdigkeit dieser Hoffnungsbotschaft. Dazu gehöre auch, dass sie sich aktiv in die gesellschaftlichen und politischen Debatten einmischen, erklärte er. Sie dürften nicht nur "kritisierend am Wegrand" stehen, sondern müssten Träger einer Kultur der Hoffnung sein, die vom Evangelium inspiriert ist.

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"Terror ist Gotteslästerung", sagte der evangelische Landesbischof Ralf Meister in der Marktkirche in Hannover. Niemand solle sich von der Angst lähmen lassen. Christen hielten fest an der Überzeugung, dass es eine Welt ohne Schrecken geben könne. Meister forderte zugleich zur Solidarität mit den bedrängten Christen in Syrien auf. Trotz zerstörter Kirchen hielten sie an "Glaubenstreue und Lebenshoffnung" fest.

Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, warnte davor, die Werte der offenen Gesellschaft im Kampf gegen den Terror aufzugeben. "Ja, der Staat muss seine Bürger schützen", sagte die Theologin der "Bild am Sonntag". Aber was in Europa an Freiheit erreicht wurde, dürfe der Staat nicht einschränken. Der Staat müsse hier die "richtige Balance" finden.

Der Lutherische Weltbund rief die Christen auf, für Flüchtlinge und andere Menschen in Not einzutreten. Christen sollten ihren bedürftigen Mitmenschen mit Respekt begegnen und auf alle "mögliche Weise helfen", erklärte der Weltbund in Genf. Jeder neue Tag sei eine "Chance für uns, unseren Mitmenschen in Not zu zeigen, dass sie Gottes kostbare Geschöpfe sind", hieß es in der Osterbotschaft. Der LWB ist ein Netzwerk von 145 Kirchen in 98 Ländern.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung (Darmstadt) wandte sich "gegen ein Versinken in Verzweiflung". An diesem Osterfest stünden vielen Menschen noch ganz unmittelbar die Bilder der Terroranschläge von Brüssel vor Augen, sagte Jung. Allerdings gebe es keine einfachen Lösungen, um den Terror zu bekämpfen. Dazu sei die Lage in der Welt zu kompliziert. Ein erster Schritt könne aber sein, Gewalt nicht einfach mit neuer Gewalt zu beantworten.

In schwierigen Zeiten: Positives sehen

Auch in schwierigen Zeiten solle man positive Entwicklungen nicht übersehen, sagte die norddeutsche Bischöfin Kirsten Fehrs in ihrer Ostersonntagspredigt im Lübecker Dom: Sie verwies auf die Annäherung zwischen den USA und Kuba, den teilweisen Waffenstillstand in Syrien und auf die Flüchtlingsarbeit in Deutschland. Wichtig sei es, kleine Geschichten der Hoffnung weiterzuerzählen, sagte die Bischöfin. Damit erreiche man mehr als mit moralischen Appellen.

Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, sagte am Ostersonntag in Kassel, die Attentate von Brüssel hätten nicht das letzte Wort. Seit Ostern gebe es eine Hoffnung, der der Tod nichts anhaben könne. Christen rechneten mit dieser Wirklichkeit, die stärker als der Tod sei. "Gott lässt sich finden, er ist mitten in der Welt", sagte Hein.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski warnte davor, sich von der Angst vor Terrorismus und anderen Gefahren lähmen zu lassen. Der Münsteraner katholische Bischof Felix Genn rief zu Toleranz und Nächstenliebe gegenüber Flüchtlingen und Menschen anderen Glaubens auf. Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker nannte Ostern ein Zeichen gegen Hass und Zerstörung.Hoffnung sein, die vom Evangelium inspiriert ist.