Open Doors: Christenverfolgung hat 2015 deutlich zugenommen

epd-bild / Norbert Neetz

Kreuz vor einer Kapelle.

Open Doors: Christenverfolgung hat 2015 deutlich zugenommen
Die Zahl verfolgter Christen ist nach Angaben der Organisation Open Doors weltweit deutlich gestiegen. Besonders schlimm sei die Situation in Syrien und dem Irak.

Berlin (epd)Das christliche Hilfswerk Open Doors schätzt, dass angesichts der jüngsten "enorm temporeichen Entwicklung" weit mehr als 100 Millionen christliche Gläubige verfolgt werden. Sorgen bereite besonders der Exodus der Christen aus Syrien und dem Irak, wo vor allem die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) die Existenz der Glaubensgemeinschaften bedrohe, sagte Open-Doors-Analyst Thomas Müller der Tageszeitung "Die Welt" (Mittwochsausgabe).

Dort, wo Christen vertrieben würden, gehe "eine Epoche zu Ende", sagte Müller. In der vom IS beherrschten irakischen Stadt Mossul gebe es erstmals seit 1.600 Jahren keinen christlichen Gottesdienst mehr. Im Irak ist laut Open Doors die Anzahl der Christen von 1,1 Millionen beim Einmarsch der USA 2003 auf heute unter 300.000 gesunken. In Syrien sank sie demnach von 1,7 Millionen vor dem Beginn des Aufstandes gegen Präsident Baschar al-Assad und dem folgenden Bürgerkrieg auf heute deutlich unter eine Million.

Gewalt auch in nicht-muslimischen Ländern

Gewalt gegen Christen nehme auch in manchen nicht-muslimischen Ländern zu, hieß es. Es habe in diesem Jahr "buddhistische Mobs" gegen Christen in Sri Lanka gegeben, ebenso in Myanmar. "In Indien schürt die hindu-nationalistische Regierung Spannungen gegen Muslime und Christen", sagte Müller.

Open Doors forderte die Politik dazu auf, verfolgte Christen weltweit sofort zu unterstützen - bevor sie in manchen Ländern "als wichtige Stimme der Versöhnung, aber auch als Glaubensgemeinschaft vertrieben und ausgelöscht werden". Bisher sei diese Hilfe nicht annähernd in dem Umfang geschehen, wie es nötig sei. Obwohl EU-Parlament und Bundesregierung darüber sprächen, fehle es an wirksamen Maßnahmen, beklagte Müller.