Dauerverhandlungen beim Klimagipfel

epd-bild / Thomas Seeber

Schmelzendes Eis: Beim Klimagipfel debattieren Politiker über Maßnahmen gegen die Erderwärmung.

Dauerverhandlungen beim Klimagipfel
Am Freitag um 18 Uhr will Frankreichs Außenminister Laurent Fabius den Abschluss des neuen Klimavertrages verkünden. Den Verhandlern bleibt nur noch wenig Zeit, um die offenen Streitpunkte auszuräumen.

Paris (epd)Beim Weltklimagipfel in Paris hat die heiße Phase begonnen. Nach einer schlaflosen Nacht rangen die Staatenvertreter am Donnerstag weiter in Dauersitzungen um Kompromisse. Ein neuer Entwurf für das angestrebte Abkommen, das alle Staaten zum Klimaschutz verpflichten soll, wurde für den Nachmittag erwartet. Klimaaktivisten appellierten insbesondere an die Schwellenländer, sich zu bewegen. Der Gipfel soll am Freitag mit der Verabschiedung des Vertrages enden.

Annäherungen gebracht

Eine am Mittwoch vorgelegte Version des Vertragsentwurfs hatte Annäherungen in einigen Verhandlungsfeldern gebracht, wesentliche Fragen aber offen gelassen. Knackpunkte waren laut Konferenzpräsident Laurent Fabius die langfristigen Klimaschutz-Ziele, die Finanzierung und die Frage nach den unterschiedlichen Pflichten für Industrie-, Schwellen-, und Entwicklungsländer.

Ein zentrales Element des Vertrages soll die regelmäßige Überprüfung und Nachbesserung der eingereichten freiwilligen nationalen Klimaschutz-Ziele sein. Dafür ist im Text ein Fünf-Jahres-Rhythmus vorgesehen. Offen ist aber, wann die erste Revision stattfinden soll. Die Entwicklungsorganisation Germanwatch forderte, die bislang unzureichenden Klimaziele bereits vor 2020 zu verschärfen. Nur so lasse sich die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius halten.

Hauptblockierer Saudi-Arabien

Als Haupt-Blockierer bei den Verhandlungen kritisierte Germanwatch die Delegation aus Saudi-Arabien. Der Öl-Staat, der etwa eine Abkehr von Kohle, Öl und Gas (Dekarbonisierung) ablehnt, drohe "zum Symbol der Selbstzerstörung der Welt zu werden". Germanwatch verlangte außerdem von Schwellenländern wie China, mehr internationale Verantwortung im Kampf gegen die Erderwärmung zu übernehmen.

Eine der zentralen Konfliktlinien beim Gipfel verläuft zwischen Industrie- und Schwellenländern. Dabei geht es um die Verteilung der Lasten beim Klimaschutz. Aufstrebende Wirtschaftsmächte wie China, Indien, Brasilien und Südafrika pochen auf Vereinbarungen aus der Klimarahmenkonvention von 1992, wonach die Industriestaaten die Hauptverantwortung für den Kampf gegen die Erderwärmung haben.

Beispielhaft für den Streit steht die Diskussion um Berichtspflichten: Während die Industrieländer im Wesentlichen einheitliche Transparenzregeln für das Klimaschutz-Engagement fordern, schrecken Schwellenländer davor zurück.

Obergrenze für Temperaturanstieg

Zu den besonders umstrittenen Punkten zählt auch das Langfristziel, das die zentrale Säule des Abkommens bilden soll. Dabei steht zur Debatte, den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas bis Ende des Jahrhunderts zu beschließen. Offen ist ebenso, welche Obergrenze für den globalen Temperaturanstieg festgelegt wird: Genannt sind die Zielmarken 1,5 und zwei Grad Celsius.

Die Mehrheit der Deutschen (68 Prozent) erwartet von der Bundesregierung, unmittelbar nach der Weltklimakonferenz in Paris mit der Planung des Kohleausstiegs für die kommenden 20 bis 25 Jahre zu beginnen. Das geht aus einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag von Greenpeace hervor. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte den Kohleausstieg vergangene Woche in einer Rede vor dem Bundestag gefordert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich zu dem umstrittenen Thema indes noch nicht öffentlich geäußert.

"Während die Bundesregierung den nötigen Kohleausstieg weiter verschleppt, erwarten die Menschen, dass er jetzt geplant wird", sagte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid: "Die Kanzlerin darf nicht nur von Dekarbonisierung reden, sie muss den Ausstieg aus der Kohle in Deutschland jetzt auch tatsächlich angehen."