Abschied von Helmut Schmidt im Hamburger Michel

Staatsakt für Helmut Schmidt

Foto: dpa/Tobias Schwarz

Zu den geladenen Gästen zählen Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Spitzenpolitiker

Abschied von Helmut Schmidt im Hamburger Michel
"Wer soll uns jetzt die Welt erklären?", war auf einem Kranz für Helmut Schmidt zu lesen. Politprominenz aus Deutschland und ganz Europa versammelte sich am Montag im Hamburger Michel, um dem Altkanzler die letzte Ehre zu erweisen.

Abschied von Helmut Schmidt: Mit einem Staatsakt im Hamburger Michel haben die Spitzen des Staates und politische Weggefährten dem gestorbenen Altbundeskanzler am Montag die letzte Ehre erwiesen. "Helmut Schmidts Tod ist für uns alle eine herbe Zäsur", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor 1.800 geladenen Gästen in der Hauptkirche St. Michaelis. Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger, ein langjähriger Freund des Verstorbenen, sagte: "Er war eine Art Weltgewissen."

Der Sarg des Verstorbenen war vor dem Altar im prachtvollen barocken Innenraum der Kirche aufgebahrt, bedeckt von der schwarz-rot-goldenen Flagge mit Bundesadler, davor ein großer Kranz aus Sonnenblumen. Im Hamburger Michel, der das Wahrzeichen der Hansestadt ist, hatten sich die Spitzen der Verfassungsorgane versammelt, darunter Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert und der amtierende Bundesratspräsident Stanislaw Tillich (beide CDU). Neben Schmidts Tochter Susanne und seiner Lebensgefährtin Ruth Loah waren zahlreiche politische Weggefährten gekommen, unter ihnen Frankreichs Ex-Präsident Valery Giscard d'Estaing.

Bundeskanzlerin Merkel bezeichnete Schmidt als eine "Instanz". Sie würdigte den Mut und die Standhaftigkeit des früheren Regierungschefs. Dabei erinnerte sie an schwierige Situationen seiner Kanzlerschaft wie den Terror der RAF sowie auch an sein Handeln als Hamburger Innensenator während der Sturmflut 1962. Schmidt habe vorgelebt, dass außergewöhnliche Situationen außergewöhnliche Maßnahmen erforderten.

Zu den Trauerrednern zählte auch Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Er würdigte Schmidt als Staatsmann und "öffentlichen Intellektuellen". Selten sei einem Politiker in Deutschland so viel Respekt und Vertrauen entgegengebracht worden wie Schmidt. "Wir haben einen Giganten verloren", sagte Scholz. Er wies auf die Rolle Schmidts als politischer Publizist und Buchautor hin, die dieser nach seinem Abschied aus dem Kanzleramt über Jahrzehnte ausgefüllt habe. Sehr persönliche Worte für seinen verstorbenen Freund fand der ehemalige US-Außenminister Kissinger. Schmidt sei "perfektionistisch, launisch, stets auf der Suche, inspirierend, immer zuverlässig" gewesen.

"Als wäre ein guter Freund gegangen"

Der Staatsakt hatte am Vormittag mit einem Gottesdienst im Michel begonnen. Michel-Hauptpastor Alexander Röder sagte in seiner Predigt, Schmidt sei ein Vorbild an Geradlinigkeit, Redlichkeit, Klugheit und Kantigkeit gewesen. Unter den rund 1.800 Gästen waren zahlreiche amtierende und frühere Spitzenpolitiker aus dem In- und Ausland, unter ihnen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, SPD-Chef Sigmar Gabriel und mehrere Bundesminister.

Schmidt war am 10. November im Alter von 96 Jahren in seiner Heimatstadt Hamburg gestorben. Der Sozialdemokrat war von 1974 bis 1982 Bundeskanzler. Von 1983 bis zu seinem Tod war er Herausgeber der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit". Seine letzte Ruhestätte soll Schmidt auf dem Ohlsdorfer Friedhof finden. Die Beisetzung soll offenbar in den nächsten Tagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit in engstem Familienkreis stattfinden. In dem Familiengrab sind auch Helmut Schmidts Eltern und seine Ehefrau Loki (1919-2010) bestattet, mit der er 68 Jahre lang verheirat war.

Für Hamburg wurde die Trauerfeier für Schmidt zu einem politischen Großereignis. Hunderte Schaulustige versammelten sich hinter den Absperrungen an der Ludwig-Erhard-Straße, an der der Michael liegt. Nach dem Staatsakt und einem großen militärischen Ehrengeleit säumten Zehntausende die Strecke, auf der die Eskorte zum Friedhof fuhr. Sie bewiesen nochmals die Beliebtheit Schmidts in seiner Heimatstadt. Pastor Röder hatte darauf auch in seiner Predigt verwiesen: Für viele Hamburger sei es, "als wäre ein guter Freund gegangen".

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