Modernes Museum im Eisenacher Lutherhaus empfängt erste Besucher

Modernes Museum im Eisenacher Lutherhaus empfängt erste Besucher
Das sanierte Lutherhaus in Eisenach hat am Samstag die ersten Besucher empfangen.

Das historische Gebäude aus dem 14. Jahrhundert wurde für vier Millionen Euro zu einem modernen reformationsgeschichtlichen Museum. Auf der verdoppelten Ausstellungsfläche von 500 Quadratmetern gibt die neue Ausstellung "Luther und die Bibel" mit rund 120 Exponaten aus dem 15. bis 21. Jahrhundert einen Überblick über Bibelübersetzungen vor und nach dem Reformator Martin Luther (1483-1546) sowie zu ihrer Bedeutung für Sprache, Literatur und Musik.

Mit dem neuen Rundgang bereitet sich das Lutherhaus auf den erwarteten Besucheransturm zum 500. Reformationsjubiläum 2017 mit bis zu 100.000 Gästen vor. Nach dem Eröffnungsgottesdienst in der benachbarten Georgenkirche mit der mitteldeutschen Bischöfin Ilse Junkermann würdigten Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf (beide Linke) in Grußworten die weitreichende Wirkung der Reformation bis in die moderne Gesellschaft.

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, verwies zudem auf das verhängnisvolle Wirken des antisemitischen kirchlichen "Entjudungsinsituts" in der NS-Zeit, dem im Lutherhaus erstmals ein Ausstellungsbereich gewidmet ist. Das Institut wurde von den regimenahen "Deutschen Christen" in der Wartburgstadt eingerichtet und sollte jüdische Bezüge aus der Bibel sowie aus Gesangbüchern und dem gesamten kirchlichen Leben entfernen.

Weitere Themen in der Ausstellung sind Luther und Eisenach, die Geschichte des Lutherhauses und die Verbreitung der Lutherbibel. Zu den bedeutenden und zum Teil neuen Exponaten gehören zwei Cranach-Gemälde, wertvolle Bibelausgaben, mittelalterliche Schnitzplastik sowie das Kirchenbuch mit dem Taufeintrag Johann Sebastian Bachs von 1685.

Das Lutherhaus gilt als einer der wichtigsten touristischen Anziehungspunkte in Eisenach und gehört zu den ältesten Fachwerkbauten in Thüringen. Der Überlieferung nach wohnte Martin Luther dort während seiner Schulzeit als Lateinschüler von 1498 bis 1501. Das Haus wurde 1956 zum Museum in kirchlicher Trägerschaft, seit 2013 ist die Stiftung Lutherhaus Eisenach verantwortlich. Vorsitzende des Stiftungskuratoriums ist Bischöfin Junkermann.

Meldungen

Top Meldung
Susanne Bei der Wieden wird Kirchenpräsidentin
Am Ende ging es trotz technischer Schwierigkeiten schnell. Die digital tagende Synode der Evangelisch-reformierten Kirche hat erstmals eine Frau an die Spitze gewählt. Sie will die Kirche menschennah positionieren und sprachfähiger machen.