DDR-Flüchtlinge fordern Solidarität mit den Flüchtlingen von heute

Foto: Hans-Reiner Fechter/epd-bild

Ein Willkommensgruss an die über Ungarn geflüchteten DDR-Bürger im Aufnahmelager Vilshofen/Bayern. (Foto: 11.9.1989)

DDR-Flüchtlinge fordern Solidarität mit den Flüchtlingen von heute
"Heute würde man uns wohl Wirtschaftsflüchtlinge nennen"
25 Ex-DDR-Bürger, die vor dem Mauerfall aus dem SED-Staat flohen, fordern Solidarität mit Asylsuchenden von heute. "Ich muss in diesen Tagen oft daran denken, wie herzlich die Westdeutschen uns einst aufgenommen haben", sagt TV-Moderator Peter Escher in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit". Escher war mit Frau und Kindern 1989 über Ungarn in die Bundesrepublik geflüchtet. "Wir sollten heute so solidarisch sein wie diese Leute damals."

Viele der damaligen Flüchtlinge fühlen sich angesichts der aktuellen Lage an ihr eigenes Schicksal erinnert: Richard Kruspe, Gitarrist der Band Rammstein, berichtet in der "Zeit" von seiner Flucht, die ihn 1989 nach West-Berlin führte. Seine Freunde und Bekannten in der DDR zurückzulassen, so Kruspe, sei ein schlimmes Gefühl gewesen. "Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es ist, zusätzlich auch noch gezeigt zu bekommen, dass man nicht willkommen ist. Viele Flüchtlinge, die heute nach Europa aufbrechen, erleben genau das, und das muss fürchterlich sein", sagte Kruspe.

"Heute würde man uns wohl Wirtschaftsflüchtlinge nennen"

Jörg Stiehler, der inzwischen als Grafikdesigner in Hamburg lebt und 1989 über Ungarn aus Dresden floh, kennt den Budapester Keleti-Bahnhof, auf dem zuletzt so viele Flüchtlinge ausharrten: "Ich war 1989 selbst dort." Er habe damals viele Ostdeutsche getroffen, die den Weg nach Westen suchten, "heute würde man uns wohl Wirtschaftsflüchtlinge nennen", so Stiehler. Die heutigen Asylsuchenden hätten schon deshalb "unsere Solidarität verdient".

"Ich bin einer der vielen jungen Männer, die ihr Land und ihre Familie verlassen haben, um anderswo ihr Glück zu suchen. Ich bin vorausgegangen, wie das viele junge afghanische oder syrische Männer heute auch tun", betont auch Roland Schreyer in der Wochenzeitung. Später habe er seine Familie nachgeholt. "Unsere Flucht hat zwei Stunden gedauert, wir waren danach fix und fertig", so Schreyer, der über seine Flucht ein Buch geschrieben hat. "Die Flucht heutiger Asylsuchender dauert Wochen. Diese Menschen haben unsere Hilfe wirklich nötig."

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