Chef der Innenministerkonferenz: Mehr Fremdenfeindlichkeit im Osten

Roger Lewentz

Foto: dpa/Fredrik von Erichsen

Chef der Innenministerkonferenz: Mehr Fremdenfeindlichkeit im Osten
Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) sieht in Ostdeutschland "eine größere Bereitschaft zu einer fremdenfeindlichen Radikalisierung" als im Westen.

Im Osten lebten deutlich weniger Flüchtlinge und Migranten, dennoch sei die Aggressivität dort besonders hoch, sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz der "Welt" vom Montag. "Das ist bedrückend und befremdlich."

Mehr zu Flüchtlinge
Migranten in Warteschlange für Essen und Trinken
Die Kirchen fordern von der Politik einen menschenwürdigen Umgang mit Migranten. Migration sei eine globale Herausforderung, deshalb könnten Probleme nicht allein national gelöst werden, sagte der frühere rheinische Präses Rekowski.
Migranten campieren an der Grenze zu Polen
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, kritisiert den Umgang der Europäischen Union mit geflüchteten Menschen an den EU-Außengrenzen.

Mit Blick auf die jüngsten Ausschreitungen im sächsischen Heidenau und Angriffe gegen Asylbewerberunterkünfte erklärte Lewentz: "Im Osten ist es offenkundig so, dass Migranten Angst und Fremdenfeindlichkeit auslösen. Und zwar in einem Ausmaß, das wir im Westen nicht für möglich gehalten haben." Lewentz sieht dafür historische Gründe: Der Osten habe über Jahrzehnte keinen umfangreichen Zuzug aus anderen Kulturen gekannt. "Das Zusammenleben mit Menschen mit Migrationshintergründen muss gelernt werden."

Am Wochenende hatten ostdeutsche Ministerpräsidenten davor gewarnt, Fremdenhass als rein ostdeutsches Problem zu betrachten. Brandenburger Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) verwies in der "Welt am Sonntag" darauf, dass es auch Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte in westdeutschen Ländern gegeben habe. Sachsens Ministerpräsident, Stanislaw Tillich (CDU), betonte, Fremdeinfeindlichkeit sei nicht das Problem eines einzelnen Bundeslandes, sondern "eine Herausforderung für das ganze Land und die Gesellschaft".