Bischof Dröge: Diskussion über Sachleistungen geht an Problem vorbei

Bischof Dröge: Diskussion über Sachleistungen geht an Problem vorbei
Bischof Markus Dröge hält die Diskussion über Geld- oder Sachleistungen für Flüchtlinge für Symbolpolitik.

"Aber die Debatte, die jetzt geführt wird, geht, glaube ich, an den Problemen vorbei", sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Dienstag dem Deutschlandfunk. Wenn man jetzt wieder auf Sachspenden umschwenke, sei das ein riesiger Verwaltungsaufwand. "Ich glaube, das soll eine abschreckende Wirkung haben, aber ich glaube nicht, dass das funktioniert."

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte in der Tageszeitung "Die Welt" (Montagsausgabe) gefordert, das Taschengeld für Asylsuchende aus den Balkanstaaten drastisch zu kürzen. "Die Zuwendungen für diese Gruppe sind eine Zumutung für die deutschen Steuerzahler", sagte er. Die Grünen reagierten empört. Herrmann versuche auf einer rechtspopulistischen Welle mitzureiten, sagte die Parteivorsitzende Simone Peter.

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Im Moment sei dringender zu fragen, sagte Dröge, was getan werden müsse für die Menschen, die kämen. Statt nur eine Abschreckung aufzubauen, die keine Probleme löse, müsste die deutsche Gesellschaft über die tieferen Probleme der Asylpolitik nachdenken. "Kurzfristig ist es einfach nötig, die Menschen, die hier herkommen, angemessen zu behandeln, Notunterkünfte zu schaffen, natürlich auch schnellere Verfahren einzurichten, damit hier die Menschen, die zu uns kommen, nicht ewig auf eine Entscheidung warten müssen", sagte der Bischof.

Zudem sei es langfristig notwendig, dafür zu sorgen, dass die Fluchtursachen behoben würden. "Das hört man nicht gerne, weil das ist eine wirklich schwierige Aufgabe, aber wir müssen darüber nachdenken, was können wir tun, damit in den Ländern, aus denen die Menschen kommen, die Situation verbessert wird", sagte Dröge dem Deutschlandfunk. Es könne nicht sein, dass man nur noch die Hoffnung habe, in Europa in dieser Welt anständig zu leben.

Forderung nach neuem Einwanderungsgesetz

Dröge bekräftigte die Forderung der evangelischen Kirche, ein neues Einwanderungsgesetz zu schaffen. Das sei ein Signal für die Asylsuchenden und Einwanderer nach Deutschland. "Das gibt dann auch die Möglichkeit, diejenigen, die nicht Asyl beantragen können, zu sagen, welche Bedingungen gibt es denn, was muss ich erfüllen, um in Deutschland eine Zukunft für mich und meine Familie zu ermöglichen", sagte Dröge. Deswegen sei es auch nichts Schlimmes, wenn die Gesellschaft frage, was sie in Zukunft für die eigene Wirtschaft brauche.