Künftiger Berliner Erzbischof Koch will auf Nichtgläubige zugehen

Künftiger Berliner Erzbischof Koch will auf Nichtgläubige zugehen
Der neue Berliner Erzbischof Heiner Koch will in der Hauptstadt auch auf Nichtgläubige zugehen.
12.07.2015
Ernst-Ulrich Kneitschel
epd

Für ihn stelle sich die Frage, wie ein ehrlicher und offener Dialog mit jenen Menschen gelingen kann, die kaum oder gar keine Berührung haben mit dem christlichen Glauben, sagte der 61-jährige katholische Geistliche in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es gehe dabei auch darum, sich trotz der Verschiedenheit gegenseitig wahrzunehmen und wertzuschätzen, sagte Koch.

Der bisherige Dresdner Bischof soll am 19. September in sein neues Amt als Berliner Erzbischof eingeführt werden. Zum Erzbistum Berlin zählen neben der deutschen Hauptstadt weite Teile Brandenburgs und die östlichen Landesteile Mecklenburg-Vorpommerns.

Koch sagte, er beobachte bei vielen Menschen die Sorge, vereinnahmt zu werden - auch und gerade durch die Kirche. "Eine solche Abwehrhaltung erschwert den Glauben", betonte er.  Koch will nach eigenen Worten auch die Kirchenmitglieder stärken, die eine enge Bindung an die Kirche haben: "Ich halte es nicht für selbstverständlich, dazuzugehören und sich engagiert einzubringen." In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind etwa drei Prozent der Einwohner katholisch, in Berlin neun Prozent.

Christen hätten es mitunter schwer, etwa wenn Jugendliche in der ganzen Klassenstufe allein seien. "Da brauchen wir Stärkung und Solidarisierung", unterstrich Koch. Auch gebe es Menschen, deren Beziehung zur Kirche zu "verdünnen" drohe. "Es ist nicht gut, wenn diese Menschen erst zum Thema werden, wenn sie aus der Kirche austreten", sagte der künftige Berliner Erzbischof.

Zurückhaltung beim Thema "Ehe für alle"

Mit Blick auf die anhaltenden Proteste gegen Flüchtlinge in seiner Noch-Heimat Dresden machte Koch deutlich, dass er keine Alternative zum Dialog zwischen Asylgegnern und Asylunterstützern sieht: "Wenn ich mit jemandem spreche, von Angesicht zu Angesicht, dann ist das etwas anderes, als wenn ich Parolen medial verschicke." Dialog baue Gewalt ab und wecke Verständnis und Sensibilität für den anderen: "Ich kann mir nicht eine Gesellschaft zusammenmalen. Ich muss die Menschen in ihrer Verschiedenartigkeit so annehmen, wie sie sind."

Zurückhaltend äußerte sich der Bischof in dem epd-Gespräch zu den aktuell kontrovers diskutierten Themen Homosexualität und "Ehe für alle". Koch sagte, in der Gesellschaft würden unter Ehe inzwischen "viele unterschiedliche Dinge" verstanden. Das mache die Diskussion schwierig. Für Katholiken sei die Ehe "die lebenslange Bindung von Mann und Frau, die prinzipiell offen ist für die Weitergabe des Lebens". Dies beinhalte etwas anderes, als wenn die Ehe als Vertrag auf Zeit verstanden werde.

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