Studie: Religiosität im Westen geht durch Wohlstand zurück

Studie: Religiosität im Westen geht durch Wohlstand zurück
Der Wohlstand in der westlichen Welt nimmt seit 1945 zu, die Religiösität nimmt ab. Das ist das Ergebnis einer Studie des Religionssoziologen Detlef Pollack. Die Kirchen, aber auch andere spirituelle Angebote, könnten wenig dagegen tun, schreibt Pollack.

Durch wachsenden Wohlstand und zunehmende Individualisierung nimmt die Religiosität in der westlichen Welt einer Studie der Universität Münster zufolge kontinuierlich ab. Dabei verließen die Gläubigen die Kirche weniger aus konkreten Gründen, sondern weil sie ihnen gleichgültig geworden sei, heißt es in einer am Freitag vorgestellten Untersuchung des Münsteraner Religionssoziologen Detlef Pollack. Daher könnten Gegenmaßnahmen der Kirchen wenig gegen diesen Trend ausrichten. Auch alternative, spirituelle Angebote außerhalb der Kirche wie etwa die Esoterik verzeichnen demnach nur schwache Zuwächse.

Neben einem hohen Wohlstandsniveau und zunehmender kultureller Vielfalt wirkt sich laut der Studie auch der Ausbau der Sozial- und Bildungssysteme negativ auf die Religiosität aus. Oftmals bestehe dadurch keine Notwendigkeit mehr, kirchliche Kanäle zu nutzen. In konfessionell eher geschlossenen Ländern wie Polen, Italien oder Irland habe die Religion dagegen nach wie vor einen weitaus höheren Stellenwert als etwa in den religiös pluralen Niederlanden.

Mehr zu Mission
Lebensmittelspenden nach Erdbeben auf der indonesischen Insel Sulawesi
Die Mitglieder der internationalen "Evangelischen Mission in Solidarität" (EMS) wollen die frohe Botschaft in die Welt bringen. Auch helfen sie einander bei Kirchenaufbau und Hilfsprojekten. 2022 feiert das Werk sein 50-jähriges Bestehen.
Kirsten Heinrich von der Bahnhofsmission in Hannover geleitet die blinde Berufspendlerin Martina Nesterok auf die Rolltreppe.
Die Ökumenische Bahnhofsmission am Hauptbahnhof Hannover bereitet sich auf den Winter vor. Trotz coronabedingt reduzierter Öffnungszeiten sind die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterhin zur Stelle.

Positiver falle die Bilanz für die Religiosität dagegen aus, wenn religiöses Leben in Gemeinschaften eingebettet sei. Auch eine Verbundenheit religiöser Inhalte mit politischen, nationalen oder wirtschaftlichen Interessen könne sich positiv auswirken. Als Beispiele nennen die Autoren Rituale wie etwa die Vereidigung des US-Präsidenten auf die Bibel oder das Gebet im US-amerikanischen Abgeordnetenhaus. Kämen sich Religion und Politik dagegen zu nahe, wachse die Abwehrhaltung der Bürger an. Auch in Gegenden in denen sich Minderheiten gegenüber einer andersgläubigen Mehrheit behaupten müssen, stellten die Forscher eine engere Bindung an die Religion fest.

Für die Untersuchung werteten Pollack und sein Kollege Gergely Rosta den Angaben zufolge Datensätze aus Italien, den Niederlanden, Deutschland, Polen, Russland, den USA, Südkorea und Brasilien seit 1945 aus.

Die Studie ist auch im Buchhandel erhältlich: Detlef Pollack, Gergely Rosta: Religion in der Moderne. Ein internationaler Vergleich ("Religion und Moderne", Band 1), Frankfurt am Main/New York: Campus Verlag 2015, 39,90 Euro.