Historiker Nolte: Kirchen prägen die Demokratie und Zivilgesellschaft

Historiker Nolte: Kirchen prägen die Demokratie und Zivilgesellschaft
Aus Sicht des Berliner Historikers Paul Nolte haben die Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg einen wesentlichen Beitrag zur Demokratie in Deutschland geleistet. Wichtige Stränge der sozialen Bewegung seien ohne kirchliche Milieus nicht denkbar.

"Wichtige Stränge der neuen sozialen Bewegungen sind ohne religiöse Motivation und ohne kirchliche Milieus schwer vorstellbar", sagte Paul Nolte am Freitag vor der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Würzburg. Beispiele seien das Engagement für die Dritte Welt, die Umwelt- und die Friedensbewegung wie auch die Bürgerrechtsbewegung in der DDR. Im internationalen Vergleich sei diese religiös-kirchliche Prägung der Demokratie in Deutschland fast einzigartig.

Nolte appellierte an die Kirchen, sich nicht mit dem Staat und den Regierenden gemein zu machen, aber auch nicht mit weit verbreiteten Formen der Kritik. Den "Vernunftpotenzialen von Religion" komme eine gesellschaftliche Verantwortung zu, sagte er nach von der EKD vorab verbreiteten Redeauszügen: "Evangelischer Glaube und evangelische Sozialethik sind mit verschwörungstheoretischen Untergangsszenarien schwer vereinbar."

Paul Nolte lehrt Neuere Geschichte und Zeitgeschichte an der Freien Universität Berlin. Sein Referat vor der Synode der EKD in Würzburg stand unter der Überschrift "Irritationen der Zivilgesellschaft - Entfremdung, Protest, Gewalt". Der 52 Jahre alte Nolte ist nach einer Berufung durch den Rat der EKD selbst Mitglied der Synode. Die konstituierende Sitzung der EKD-Synode endet am Sonntag mit dem Abschlussgottesdienst.

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