Südasien-Experte: Rückständigkeit Nepals ist auch Folge zu geringer Entwicklungshilfe

Südasien-Experte: Rückständigkeit Nepals ist auch Folge zu geringer Entwicklungshilfe
Rückständigkeit und Armut des von einer Erdbeben-Katastrophe betroffenen Nepal sind nach Ansicht des Südasien-Forschers Markus Keck auch auf eine zu geringe Entwicklungshilfe zurückzuführen.

Allerdings spielten auch der jahrelange Bürgerkrieg, Versäumnisse der Regierung und die Dominanz des Nachbarlandes Indien eine Rolle, sagte der Geografie-Dozent der Universität Göttingen am Dienstag in einem epd-Gespräch. 

Bei dem Erdbeben am Wochenende kamen bisher mehr als 5.000 Menschen ums Leben. Nach Schätzungen der Regierung könnten es bis zu 10.000 Tote sein. Bis zu acht Millionen Menschen sollen nach UN-Angaben von den Auswirkungen der Katastrophe betroffen sein. Hilfsorganisationen berichten immer wieder von der schlechten Infrastruktur. Zahlreiche Dörfer seien schon vor dem Beben nur über steile und steinige Pfade zu Fuß erreichbar gewesen.

Zwar spiele auch die Topografie des Hochgebirges Rolle, sagte Keck. Österreich und die Schweiz jedoch seien durchaus vergleichbare Länder: "Dort sieht man, was man erreichen kann, wenn man Geld in die Hand nimmt." Er habe bei mehreren Reisen nach Nepal zuletzt im vergangenen Jahr durchaus Fortschritte gerade im Straßenbau erlebt. Sie seien etwa durch Hilfsprojekte der Weltbank oder der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit erzielt worden. Allerdings seien die meisten Projekte sehr kleinteilig und auf einzelne Ort oder Distrikte beschränkt.

Vielen Europäern sei zudem gar nicht bewusst, dass das Land sich gerade erst von einem Bürgerkrieg erhole, erläuterte der Wissenschaftler: "Unser Bild von Nepal ist das eines friedlichen Landes. Dabei war es von 1996 bis 2006 in einen Bürgerkrieg mit maoistischen Guerilla-Truppen verstrickt, der die Wirtschaft nahezu lahmgelegt hat." Industrie, die ohnehin nur im Süden möglich sei, gebe es kaum. Junge Menschen verließen das Land in Scharen. "Die Einnahmen, die nepalesische Wanderarbeiter heute auf Baustellen in Dubai oder Abu Dhabi erwirtschaften und nach Hause schicken, entsprechen etwa einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts."

Zudem trete der im Vergleich reiche Nachbar Indien gegenüber dem kleinen Nepal sehr dominant auf. So führten beide Länder schon seit Jahren Verhandlungen über die gemeinsame Nutzung von Wasserressourcen. Nepal sei in der Vergangenheit von Indien oft übervorteilt worden. Keck forderte die indische Regierung auf, mit dem Nachbarn im Himalaya jetzt einen ehrlichen Dialog über Entwicklungschancen des Landes zu beginnen. Nur gemeinsam könnten langfristige Veränderungen in Nepal angegangen werden, "die die jungen Menschen im Land in Lohn und Brot bringen".

Die Diakonie Katastrophenhilfe nimmt Ihre Spenden auf folgendes Konto entgegen:

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