Griechischer Kirchenvertreter: Lage in den Provinzen verschlechtert sich

Griechischer Kirchenvertreter: Lage in den Provinzen verschlechtert sich
Evangelische Minderheit vor kurzem als Religionsgemeinschaft anerkannt
In Griechenlands Provinzen verschlechtert sich nach Angaben der dortigen evangelischen Kirche die wirtschaftliche Lage zusehends.

"Viele Geschäfte schließen, die Arbeitsmöglichkeiten schränken sich immer weiter ein", sagte der Präsident der griechisch-evangelischen Kirche, Meletios Meletiadis, dem epd am Donnerstag am Rande seines Besuchs beim Gustav-Adolf-Werk in Stuttgart. Viele Menschen seien deshalb gezwungen, Arbeit im Ausland zu suchen.

"In den letzten Jahren wanderte die Hälfte unserer Kirchengemeinde ins Ausland ab - vor allem nach Deutschland, Finnland, Norwegen oder die USA", sagte Meletiadis, der in der griechischen Hafenstadt Volos eine Gemeinde leitet und insgesamt für 5.000 evangelische Gemeindeglieder in 32 Gemeinden mit 17 Pfarrern verantwortlich ist.

Armut: Viele können ihr Haus nicht heizen

Nicht alle Menschen in Griechenland seien verarmt, aber er kenne viele Leute, die im Winter ihr Haus nicht mehr heizen könnten. Seit 2009 verteile die evangelische Gemeinde in Volos Kleider und unterstütze die griechisch-orthodoxe Kirche bei einer täglichen Essensausgabe, zu der jeweils 2.500 Menschen kämen. Auch viele Flüchtlinge aus Albanien, der Dominikanischen Republik und Afrika suchten bei der griechisch-evangelischen Kirche Hilfe.

Seit kurzem sei seine Kirche vom Staat gemeinsam mit der katholischen Kirche, der deutsch-evangelischen sowie der koptisch-orthodoxen Kirche und der armenisch-evangelischen Kirche als Religionsgemeinschaft rechtlich anerkannt, sagte der Theologe. Damit habe Griechenland zum ersten Mal neben der griechisch-orthodoxen Staatskirche fünf weitere Kirchen gesetzlich anerkannt.

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Bislang sei es Minderheitenkirchen nicht erlaubt gewesen, als Institution ein Konto zu eröffnen. Außerdem sei durch die rechtliche Anerkennung der Besitz besser geschützt und könnte nicht einfach enteignet werden. Weiterhin dürften Minderheitenkirchen nun offiziell Freizeitstätten, Bibelschulen sowie Radiosender betreiben, sagte Meletiadis. An der Umsetzung der neuen Gesetzeslage werde nun auf Hochtouren gearbeitet.

Nach wie vor gibt es in Griechenland keine Trennung zwischen der griechisch-orthodoxen Kirche und dem Staat. Alle Priester der orthodoxen Kirche sind Staatsbeamte und werden als solche bezahlt. 97 Prozent der Griechen sind orthodox, 1,2 Prozent der Bevölkerung sind katholisch und gerade mal 0,04 Prozent der über elf Millionen Einwohner Griechenlands sind griechisch-protestantisch. Das Gustav-Adolf-Werk Württemberg unterstützt die kleine evangelische Minderheit in Griechenland ebenso wie insgesamt 40 evangelische Partnerkirchen in 30 Ländern.