Theologe Graf: Kirchen sollten mehr Vielfalt zulassen

Theologe Graf: Kirchen sollten mehr Vielfalt zulassen
Der Münchner Theologieprofessor Friedrich Wilhelm Graf hat die großen Volkskirchen aufgefordert, mehr innerkirchliche Vielfalt zuzulassen.

"Die christlichen Volkskirchen sind äußerst vielgestaltige Organisationen", sagte Graf dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Sie müssten jedoch gelassener mit dieser Vielgestaltigkeit umgehen. Vor allem sollten sie ernst nehmen, dass Christen über wesentliche Lebensfragen ganz unterschiedlicher Meinung sein können."

Als Beispiel nannte Graf die Sterbehilfe. "Viele Menschen wünschen sich einen selbstbestimmten Tod. Die Kirchen wollen ihnen jedoch vorschreiben, wie sie zu sterben haben. Das empfinden manche Menschen zurecht als entmündigend." Noch immer würde Kirche von vielen als autoritär wahrgenommen. Stattdessen müsse sie stärker "die Demokratisierung fördern und kompromissfähiger werden".

Der Münchner Wissenschaftler wurde 1999 als erster Theologe mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. Graf ist Präsident der Ernst-Troeltsch-Gesellschaft. Sie veranstaltet ab kommenden Montag in Augsburg den Kongress "Freiheitsglaube - Liberale Religion heute". Theologen aus dem In- und Ausland erörtern dort die Zukunft der Religion in der modernen Gesellschaft. Anlass ist der 150. Geburtstag von Ernst Troeltsch. Der in Augsburg geborene Troeltsch galt Anfang des 20. Jahrhunderts als einer der wichtigsten deutschsprachigen Theologen.

Der Kongress "Freiheitsglaube - Liberale Religion heute" findet von von Montag, 16. Februar, bis Mittwoch, 18. Februar, im Augustanasaal in Augsburg statt.