Protestanten trauern um Ökumene-Bischof Weber

Protestanten trauern um Ökumene-Bischof Weber
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und in ganz Europa trauert um den ehemaligen Braunschweiger Landesbischof und geschäftsführenden Präsidenten der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, Friedrich Weber. Der 65-jährige Theologe ist in der Nacht zum 20. Januar in Frankfurt am Main gestorben.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm würdigte Weber am Dienstag in Hannover als herausragende evangelische Persönlichkeit: "Es ist ihm auf beeindruckende Weise gelungen, seine Leidenschaft für die Ökumene zu verbinden mit der Authentizität eigener Glaubensüberzeugungen." In vielen Zusammenhängen habe Weber die evangelische Kirche überzeugend und kompetent vertreten, sagte Bedford-Strohm. "Besonders in ökumenischen Gesprächen war sein Urteil weitsichtig und verbindlich. Der bayerische Landesbischof fügte hinzu: "Sein plötzlicher Tod bestürzt mich sehr, unser Fürbittgebet gilt seiner Frau und seiner Familie."

Weber stand von 2002 bis 2014 als Landesbischof an der Spitze der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig. Über die Grenzen der Landeskirche hinaus genoss er hohes Ansehen für sein Engagement um die Beziehungen zur römisch-katholischen Kirche. Er war nicht nur langjähriges Mitglied im Kontaktgesprächskreis der EKD und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, sondern von 2005 bis 2014 auch Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Überdies hatte der reformierte Theologe zahlreiche weitere Ämter und Aufgaben im Bereich der Ökumene inne. So war er von 2007 bis 2013 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und über seinen Ruhestand hinaus Vorsitzender des Kuratoriums des Konfessionskundlichen Instituts der EKD.

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) äußerte sich tief betroffen über den Tod ihres Präsidenten. Die Kirchengemeinschaft verliere einen "weitsichtigen Theologen mit reicher ökumenischer Erfahrung und Kompetenz", sagte Generalsekretär Michael Bünker am Dienstag in Wien. "Er wird dem europäischen Protestantismus fehlen." Die europäischen Protestanten hätten eine "wichtige Stimme verloren", sagte der Co-Präsident der Gemeinschaft, Gottfried Locher. Weber sei ein unermüdlicher Befürworter des Leuenberg-Gedankens "und als solcher bis zuletzt in Kirchen und an Universitäten in ganz Europa unterwegs" gewesen. Im schweizerischen Leuenberg bei Basel hatten sich bekenntnisverschiedene evangelische Kirchen 1973 gegenseitig Kanzel- und Abendmahlgemeinschaft gewährt. Die sogenannte Leuenberger Konkordie gilt als ökumenischer Meilenstein.

"Verlässlicher Brückenbauer"

Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) reagierte mit Bestürzung auf den Tod des ehemaligen lutherischen Catholica-Beauftragten. "Mit Friedrich Weber verliert die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands und die Ökumene eine ihrer prägendsten Gestalten und einen großartigen Menschen", sagte der Leitende lutherische Bischof Gerhard Ulrich am Dienstag in Hannover. Mit theologischer Klarheit und menschlicher Wärme habe Weber die Menschen gewonnen, ergänzte Ulrich. Als Catholica-Beauftragter und Co-Vorsitzender der zweiten Bilateralen Arbeitsgruppe zwischen Lutheranern und katholischer Deutscher Bischofskonferenz habe Weber die ökumenischen Gespräche in herausragender Weise mitgestaltet. "Er war auf beiden Seiten ein anerkannter und gefragter Gesprächspartner und ist zu einer Instanz für den ökumenischen Dialog geworden", sagte Bischof Ulrich. Er sprach der Ehefrau und Familie des Verstorbenen sein tiefempfundenes Mitgefühl aus.

Webers Nachfolger als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer, würdigte ihn als "verlässlichen Brückenbauer, der sich große Verdienste um die Ökumene in Deutschland" erworben habe. Wiesemann, der selbst mit ihm im Vorstand zusammengearbeitet hatte, schätzte Weber für seinen klaren ökumenischen Geist, der immer das Miteinander der Kirchen, vor allem der multilateralen Ökumene, im Blick gehabt habe. "Mit ihm verliert die ACK einen ihrer wichtigen Brückenbauer", so Bischof Wiesemann.

Auch die katholische Kirche reagierte mit Trauer und Betroffenheit auf den Tod des langjährigen lutherischen Catholica-Beauftragten. "Eine große ökumenische Aufgeschlossenheit und eine von Fairness und Wohlwollen getragene Beobachtung und Analyse der ökumenischen Entwicklungen zeichneten ihn aus", heißt es im Beileidsschreiben des katholischen Ökumenebischofs Gerhard Feige. Webers Anliegen sei stets gewesen, "dass sich die evangelisch-katholischen Beziehungen in fruchtbarer Weise fortentwickeln."

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung würdigte Weber als "profilierten Theologen mit großer ökumenischer Perspektive". Er habe nicht nur als langjähriger Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen Deutschlands im Verhältnis zur katholischen Kirche "wichtige Akzente" gesetzt, sondern auch viel zum "innerprotestantischen Verständnis der Konfessionen" beigetragen. "Webers Erfahrung im ökumenischen Dialog und seine integrierende Kraft wird der evangelischen Kirche in Deutschland fehlen", so Jung.

Der Hannoversche Landesbischof und Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Ralf Meister, äußerte sich tief bewegt über den Tod seines ehemaligen Amtskollegen und "bischöflichen Freundes" Friedrich Weber. "In seiner Zeit als Ratsvorsitzender der Konföderation war er eine wichtige Stimme in Niedersachsen, insbesondere die Flüchtlinge und Asylbewerber, aber auch die Bildung und der Religionsunterricht waren ihm ein Herzensanliegen", sagte Meister. Friedrich Weber habe in der Konföderation, als Wissenschaftler und als Mensch Spuren hinterlassen und sich für die Zusammenarbeit unserer Landeskirchen und die gemeinsame Zukunft der evangelischen Kirchen in Niedersachsen stark engagiert.