Die neuen Bibelfilme: schlachtenreich und skeptisch

Filmkritik Exodus

Foto: Fox Deutschland

Szene aus dem Film "Exodus: Goetter und Koenige", der Weihnachten (25.12.14) in den deutschen Kinos startet. Links: Schauspieler Christian Bale als Moses

Die neuen Bibelfilme: schlachtenreich und skeptisch
Es ist seltsam - aber: das Schlachtfeld ist in diesen Tagen um Weihnachten einer der beliebtesten Filmschauplätze.

Nicht umsonst heißt der letzte Teil der "Hobbit"-Trilogie mit Untertitel "Die Schlacht der fünf Heere", in dem zu Neujahr startenden Kriegsfilm "Herz aus Stahl" mit Brad Pitt gibt es ultrarealistische Panzerschlachten. Auch Ridley Scotts Bibelfilm "Exodus: Götter und Könige", der am ersten Weihnachtsfeiertag startet, wartet zu Beginn mit einer Schlacht auf: wie die Ägypter, angeführt von den Feldherrn Moses (Christian Bale) und Ramses (Joel Edgerton) mit ihren Kampfwagen in die Reihen ihrer Feinde rauschen.

Der Moses des "Exodus" ist ein starker und wendiger Kämpfer, rettet sogar dem späteren Pharao Ramses das Leben. Moses Actionstar: die Rüstung mit dem Umhang, in der Moses gerne auftritt, erinnert nicht nur an das Genre des Sandalenfilms, sondern auch an das des Superheldenfilms. 

Gott als kleiner Junge

Es hat sich etwas verändert in den Bibelfilmen der letzten Jahre und nicht nur in denen, die sich mit den Geschichten des Alten Testaments beschäftigen. Die Unbefangenheit ist ihnen verloren gegangen und das Vertrauen in den Glauben muss immer wieder neu verhandelt werden. Anders als Cecil B. DeMille in seinem Moses-Klassiker "Die zehn Gebote" (1956) hält Ridley Scott sich nicht mit der Kindheit des Helden auf, steigt ziemlich unvermittelt ein, hält sich dann aber an die bekannte Geschichte mit Moses Verstoß aus dem Zirkel der Macht, weil er den versklavten Hebräern angehört, und beschreibt deren Aufstand gegen das Ramses-Regime.

Das Verhältnis zwischen Ramses und Moses, psychologisch doch eigentlich interessant, wird nur am Rande entwickelt - stattdessen liefert der Film Schaueffekte am laufenden Band: den Bau der Stadt Memphis, die zehn biblischen Plagen, die Verfolgung des flüchtenden Volks Israels durch die ägyptischen Kampfwagen, die gigantische Welle im Roten Meer, die sie vernichten wird. Und das alles in 3D.

Und Ridley Scott lässt auch Gott selbst auftreten, in Gestalt eines kleinen, ziemlich vorlauten Jungen, der mal rätselhaft, mal besserwisserisch den Dialog mit Moses aufnimmt - und ihn dann doch allein lässt, wenn Moses seinen Rat braucht. Man mag das blasphemisch finden - schließlich beinhaltet doch das zweite Gebot, sich kein Bild von Gott zu machen, woran sich die Kunst nie gehalten hat. In dem Mosesfilm aus den fünfziger Jahren ist allerdings nur Gottes Stimme zu hören.

Noah, der Besessene

Galten Bibelverfilmungen in den letzten Jahren eher als Kassengift, so steht uns in den nächsten Jahren ein Boom des Genres bevor. Zu Ostern 2014 lief im deutschen Privatfernsehen bereits die eher behäbige zehnteilige Serie "Die Bibel", und es befinden sich noch einige Projekte in der Pipeline. Der Schauspieler Will Smith wird sich in seinem Regiedebüt "The Redemption of Cain" mit der biblischen Geschichte von Kain und Abel beschäftigen; Mel Gibson plant schon seit längerem einen Film über den Kampf der Makkabäer; Regisseur Scott Derrickson soll den Kampf David gegen Goliath adaptieren. Das Projekt "Pontius Pilatus" dagegen ist erst einmal mit dem Ausstieg von Hauptdarsteller Brad Pitt auf Eis gelegt.

Bibelfilme prunkten schon immer mit Schauwerten, Massenszenen, nie gesehenen Bildern, monumentalen Bauten. In dieser Tradition steht auch Scotts "Exodus", der den inneren Qualen seines Helden Moses, seinem Vertrauen und seinen Zweifeln an Gott, wenig abgewinnen kann. Da hat sein Regiekollege Darren Aronofsky mit seinem "Noah", der bei uns im Frühjahr startete, schon mehr gewagt. Bei ihm ist Noah so etwas wie der erste Öko: ein Familienvater, der mit seiner Familie vor der Gesellschaft der Menschen flieht und sich korrekt vegan von Pflanzen und Beeren ernährt, ein Mahner und Warner. Man merkt Aronofskys Bemühen, die biblische Geschichte in die Moderne zu transponieren, schon an seiner Arche, die gar nicht mehr nach einem Schiff aussieht, sondern wie ein gigantischer rechteckiger Holzkasten.

In "Noah" taucht Gott nie als Person auf, wir hören von ihm nur durch die Erzählungen Noahs (Russell Crowe), der seine Visionen und Eingebungen wie eine Art Herrschaftswissen behandelt. Noah wirkt wie ein Besessener in diesem Film. Gott will die Menschheit wegen ihrer Verderbtheit vernichten, glaubt Noah, und ist kurz davor, Kinder zu töten. Doch schließlich siegt der Humanismus über den Fundamentalismus - auch eine ganz aktuelle Pointe in dieser abgedrehtesten Big-Budget-Bibelverfilmung aller Zeiten.