"Die Massenkeulungen treiben Menschen an ihre moralischen Grenzen"

"Die Massenkeulungen treiben Menschen an ihre moralischen Grenzen"
Die Tötung ganzer Tierbestände wegen Tierseuchen wie der Vogelgrippe ist nach Ansicht des Präsidenten der Bundestierärztekammer, Theodor Mantel, für die zuständigen Tierärzte und Landwirte nur schwer erträglich.

"Die Gesetzeslage lässt ihnen bei Seuchen wie der Geflügelpest, aber auch der Maul- und Klauenseuche keine Wahl, als den gesamten Tierbestand zu töten oder dies in Auftrag zu geben", sagte der Professor für Tiermedizin dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Das treibt Menschen an ihre moralischen Grenzen, da sie sehr viele Tiere töten, die klinisch gesund sind."

Es spielten sich schreckliche Szenen auf den Höfen ab, "die Maul- und Klauenseuche am Anfang des Jahrtausends hat zu Suiziden geführt." Dabei gäbe es bei einigen Seuchen medizinische Alternativen: "Wir haben immer gefordert, zu impfen statt zu keulen", sagt Mantel. Bei den sich schnell verändernden Grippeviren sei das Entwickeln adäquater Impfstoffe allerdings schwieriger, bei anderen Tierseuchen gäbe es aber durchaus wirksamen Impfschutz. "Es ist jedoch nach EU-Recht verboten, deshalb ist das Keulen vor allem eine politische Grundsatzentscheidung."

Aus tiermedizinischer Sicht müsste viel seltener vorsorglich getötet werden. "Auch das ist für Tierärzte ein berufsethischer Konflikt." Es sei daher notwendig, an für Tier und Mensch sicheren Impfstoffen zu forschen. "Für die Industrie ist dies bei der derzeitigen Gesetzeslage aber unwirtschaftlich, da die Impfstoffe nicht eingesetzt werden dürfen."

Muss eine Tierherde sterben, werde versucht, so schmerzfrei wie möglich zu töten: Geflügel werde in der Regel mit C02 vergast. Wasservögel wie Enten, die von Natur aus sehr lange ohne Sauerstoff auskommen können, würden mit Strom getötet.

Das berufsethische Dilemma von Tierärzten bei dieser Art der Seuchenbekämpfung bleibe aber ungelöst. Mantel erwartet wegen der Vogelgrippe eine neue Debatte über das Thema "Impfen statt Keulen". "Wir hoffen darauf, dass steter Tropfen den Stein höhlt und Bewegung in die Tierseuchenpolitik kommt", sagt der Tierarzt. 

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