Nach Lynchmord: Abschaffung von Pakistans Blasphemiegesetz gefordert

Nach Lynchmord: Abschaffung von Pakistans Blasphemiegesetz gefordert
Nach dem Lynchmord an einem christlichen Ehepaar in Pakistan fordern Politiker und Menschenrechtsorganisationen die Abschaffung des umstrittenen Blasphemiegesetzes.
Deutschland spricht 2019

"Alle Beobachter berichten, dass es in Pakistan schon ausreicht, nur den Verdacht der Gotteslästerung zu äußern, um religiöse Fanatiker zu Gewalttaten zu bewegen", sagte CDU-Fraktionschef Volker Kauder am Mittwoch in Berlin. Deshalb müssten europäische Außenminister ein sichtbares Zeichen setzen und den Posten eines gemeinsamen Beauftragten für Religionsfragen schaffen.



Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International rief Pakistan auf, die Rechte der Minderheiten besser zu schützen und die Verantwortlichen für den Mord zur Rechenschaft zu ziehen. Die Gesetze, wonach Gotteslästerung mit dem Tode bestraft werden kann, müssten dringend reformiert werden. Versuche, die Vorschriften zu ändern, scheiterten bislang stets am Widerstand religiöser Hardliner.

Ein aufgestachelter Mob hatte am Dienstag das christliche Ehepaar Shama und Shehzad Masih in der Nähe der Stadt Lahore gelyncht und in einem Ziegel-Ofen verbrannt. Weil das Paar sich gegen vorenthaltenen Lohn wehren wollte, streute der Fabrikbesitzer der Ziegelei Medienberichten zufolge Gerüchte, die beiden hätten Seiten aus dem Koran verbrannt.

Schon der Verdacht kann tödliche Folgen haben

Die pakistanische Polizei nahm 44 Verdächtige fest und erstattete Anzeige gegen weitere 468 Menschen, die mit dem Lynchmord in Verbindung zu stehen sollen, wie die Zeitung "Express Tribune" berichtete. Die Sicherheit für christliche Gemeinden und Siedlungen mit überwiegend christlichen Bewohnern wurde in Teilen des Landes verstärkt. Premierminister Nawaz Sharif verurteilte die Tat als inakzeptables Verbrechen.



Als Mitgliedsstaat des UN-Menschenrechtsrates müsse Pakistan Respekt vor der Glaubensfreiheit schaffen, forderte die "Gesellschaft für Bedrohte Völker" in Göttingen. Die Blasphemiegesetze förderten stattdessen aber die Diskriminierung religiöser Minderheiten. Die Organisation werde alle 47 Länder des Rates bitten, sich für die sofortige Abschaffung einzusetzen.

In Pakistan kann schon der bloße Verdacht der Gotteslästerung tödliche Folgen haben. Immer wieder kommt es zu blutigen Ausschreitungen gegen angebliche Missetäter. Seit 1990 sollen der "Gesellschaft für bedrohte Völker" zufolge mindestens 54 Menschen getötet worden sein. Christen machen etwa zwei Prozent der rund 180 Millionen Pakistaner aus.

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