Pfarrerverband sieht durch Datenklau Seelsorgegeheimnis gefährdet

Telefonseelsorge

Foto: suze/photocase

Pfarrerverband sieht durch Datenklau Seelsorgegeheimnis gefährdet
Steigende Anforderungen machten zudem viele Pfarrer krank und unglücklich, sagte der Verbandsvorsitzende Andreas Kahnt zum Auftakt des Deutschen Pfarrertages. Die Vikariatszeit müsse familienfreundlicher gestaltet werden.

Der evangelische Pfarrerverband sieht das Seelsorgegeheimnis durch den Datenklau von Geheimdiensten bedroht. "Nichts und niemand ist mehr sicher, staatliche Daten ebenso wenig wie kirchliche und private", sagte der Verbandsvorsitzende Andreas Kahnt am Montag zum Auftakt des 73. Deutschen Pfarrertags in Worms. In einer Zeit, in der "Telefone und Rechner jederzeit und überall abgehört, eingesehen und mitgelesen werden", sei die Nutzung moderner Technik für Pfarrer nicht mehr sicher. In Worms wollen mehr als 300 Pfarrerinnen und Pfarrer bis Mittwoch über die Zukunft ihres Berufes diskutieren.

Kahnt forderte die evangelische Kirche dazu auf, mehr Rücksicht auf ihre Pfarrer zu nehmen. Stattdessen gebe es vonseiten der Kirchenleitungen aber immer neue Aufgaben, die oft nicht mehr bewältigt werden könnten. Weit verbreitet sei die unrealistische Vorstellung, Pfarrer müssten "einfach nur besser werden", um die Kirche voranzubringen. "Die Vorgabe, gegen den Trend zu wachsen, war und ist eine Anleitung zum Unglücklichsein", warnte der Verbandschef. "Sie hat nicht wenige Pfarrerinnen und Pfarrer nicht nur unglücklich, sondern sogar krank gemacht."

Von den Landeskirchen forderte der Verband, sich stärker um einheitliche Ausbildungswege und Einstellungsvoraussetzungen zu bemühen. Für angehende Pfarrer müsse es familienfreundlichere Rahmenbedingungen während der Vikariatszeit geben, sagte Kahnt: "Die kirchliche Wertschätzung von Familie darf nicht bei der Ausbildung des Personals hintangestellt werden."

Angesichts des zunehmenden Pfarrermangels sei es zwar unumgänglich, in Kirchengemeinden verstärkt auf ehrenamtliche Mitarbeiter aufzubauen. "Aber Pfarrerinnen und Pfarrer dürfen nicht zu Anleiterinnen und Anleitern von Ehrenamtlichen werden", forderte Kahnt. "Ihre Aufgaben liegen da, wo sie immer lagen und ihre theologische Grundlegung haben, nämlich in der Verkündigung in Wort und Sakrament, Unterricht, Seelsorge und geistlicher Leitung."

Der alle zwei Jahre veranstaltete Kongress des Verbands Evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland steht 2014 unter dem Motto "Manchmal musst Du Nein sagen!". Als Gastreferent wird an diesem Dienstag der CDU-Politiker Heiner Geißler erwartet. In der Bundesrepublik gibt es zurzeit rund 24.000 evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer, von denen etwa 21.000 über die Pfarrervereine der jeweiligen Landeskirchen im deutschen Pfarrerverband organisiert sind.

Das rheinland-pfälzische Worms ist für Protestanten ein Ort von enormer historischer Bedeutung: Auf dem Wormser Reichstag von 1521 hatte sich Martin Luther geweigert, seine Wittenberger Thesen zu widerrufen. Der Versuch, die Reformation im Keim zu ersticken, war somit misslungen.
 

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