Kathedralen von Köln bis Paris in der Kunst

Innenraum Kölner Dom Köln Nordrhein-Westfalen Deutschland

Foto: epd-bild / Silwen Randebrock

Kathedralen von Köln bis Paris in der Kunst
Sie sind Touristenmagnete und Weltkulturerbe: Gotische Kathedralen wie der Kölner Dom begeistern bis heute. Dabei galten sie lange Zeit als geschmacklos. Eine deutsch-französische Ausstellung in Köln beleuchtet die Geschichte der imposanten Gotteshäuser.

Die Kathedralen sind voll: Der Kölner Dom und die Pariser Kathedrale Notre Dame gelten jeweils als meistbesuchte Monumente ihres Landes. Etwa 20.000 Menschen kommen im Schnitt täglich in den Kölner Dom. Was ist heute noch so faszinierend an den alten Gemäuern, die längst keine Höhenrekorde mehr brechen? Eine deutsch-französische Ausstellung, die erst in Rouen gezeigt wurde und vom 26. September an in Köln zu sehen ist, geht dem Mythos der Kathedralen nach.

Es war keineswegs immer so, dass Menschen von den großen gotischen Bauwerken fasziniert waren, mit deren Bau ab dem 12. Jahrhundert begonnen worden war. Mehrere Jahrhunderte lang schenkte man ihnen erstaunlich wenig Beachtung. Manche der bedeutenden Kathedralen verfielen immer mehr, niemand kümmerte sich um ihre Restaurierung.

Erst im 18. Jahrhundert wurden sie von Intellektuellen und Künstlern wiederentdeckt. Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) trug maßgeblich dazu bei: Als er nach Straßburg zog, um dort sein Jurastudium zu beenden, zog ihn das Straßburger Münster so sehr in den Bann, dass er die üblichen Vorbehalte gegen die angeblich überladene und barbarische Gotik fallen ließ. Mit seinem Aufsatz "Von Deutscher Baukunst" setzte er dem Baumeister Erwin von Steinbach (gestorben 1318) ein begeistertes Denkmal.

Wechsel der Farben bei den Impressionisten

In Goethes Gefolge widmeten sich auch die Maler der deutschen Romantik im 19. Jahrhundert dem Motiv: Caspar David Friedrich (1774-1840) und auch der preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) malten Kathedralen, die sie mit Vorliebe in imaginäre Landschaften stellten.

Auf französischer Seite war es Schriftsteller Victor Hugo, der 1831 mit seinem Monumentalwerk "Der Glöckner von Notre Dame" - im Original schlicht: "Notre Dame von Paris" - einen wahren Vergangenheits-Boom auslöste. Der Erfolg des Romans gab letztlich den Anstoß, die überfällige Restaurierung des Pariser Gotteshauses in Angriff zu nehmen.

Der Auslöser für Victor Hugos Begeisterung für gotische Kathedralen war ein Erlebnis als junger Mann: Der Schriftsteller hatte 1825 an der Krönung von König Karl X. in der gotischen Kathedrale von Reims teilgenommen. Es war der letzte König, der in Reims gekrönt werden sollte. Künftig wurde Notre Dame von Paris zum Schauplatz bedeutender politischer Ereignisse.

Noch bevor Notre Dame restauriert worden war, ließ Napoleon Bonaparte sich dort 1804 zum Kaiser krönen. Die damals noch schäbigen Wände wurden eigens mit Teppichen verhängt. Nach der Befreiung der Stadt Paris von der Nazibesatzung besuchte Charles de Gaulle die Kathedrale und nahm an einer feierlichen Messe teil. Die Glocken von Notre Dame erklangen erstmals wieder seit Kriegsbeginn weit über die ganze Stadt.

Zu den Prachtstücken der Ausstellung zählen zweifellos die Darstellungen der Impressionisten, die sich vor allem für das Lichtspiel auf den Fassaden begeisterten. Claude Monet schuf Ende des 19. Jahrhunderts allein 33 Gemälde von der Kathedrale von Rouen, von denen die meisten die skulpturenreiche Westfassade zeigen. Monet interessierte jedoch nicht die Wiedergabe von Details, sondern vielmehr der faszinierende Wechsel der Farben je nach Tageszeit und Witterung.

Hoch, höher, Ulmer Münster

Deutschland und Frankreich, die lange Zeit konkurrierenden Nachbarn, versuchten sich auch beim Kathedralenbau gegenseitig zu übertrumpfen: Als die Kathedrale von Rouen nach einem Brand im 19. Jahrhundert renoviert wurde, erhielt sie einen Dachreiter, der sie mit 151 Metern zum höchsten Gebäude der Welt machte. Doch der Status ließ sich nicht lange halten: Wenige Jahre später, 1880, überragte sie der Kölner Dom um sechs Meter - mehr als 600 Jahre nach Baubeginn. Heute hat das Ulmer Münster mit 161,53 Metern den höchsten Kirchturm der Welt.

Die beiden Weltkriege sind auch in der Geschichte der großen Kathedralen düstere Kapitel: Im Ersten Weltkrieg beschossen die Deutschen die Kathedrale von Reims und lösten damit ein Trauma aus, von dem Frankreich sich nur langsam wieder erholte. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs fielen Bomben auf die Kathedrale von Rouen, auch der Kölner Dom in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hauptbahnhof und Hohenzollernbrücke wurde durch Bombenangriffe beschädigt.

Die Ausstellung zeigt schließlich noch ein Kuriosum, das klar macht, dass die Kathedralen nicht immer so verstanden wurden, wie ihre Erbauer sich das gedacht hatten - nämlich einen steinernen Königskopf von der Fassade von Notre Dame. Während der Französischen Revolution hatten die Aufständischen die Königsfiguren an der Fassade enthauptet, weil sie davon ausgingen, dass sie die Könige Frankreichs darstellten. Tatsächlich waren es jedoch Bildnisse der biblischen Könige. Teile der abgeschlagenen Köpfe war in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts überraschend bei Bauarbeiten wiedergefunden worden.

Die Ausstellung im Kölner Wallraf-Richartz-Museum dauert vom 26. September 2014 bis 1. Januar  2015.