Hilfsorganisation befürchtet neue Flüchtlingskatastrophe im Irak

Hilfsorganisation befürchtet neue Flüchtlingskatastrophe im Irak
Die Diakonie Katastrophenhilfe befürchtet ein humanitäres Desaster in der irakischen Stadt Amirli.

"Dort sitzt die mehrheitlich schiitische Stadtbevölkerung fest, die Stadt wird von IS-Truppen belagert", sagte der Leiter der Hilfsorganisation, Martin Keßler, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es müsse ein Flucht-Korridor geschaffen werden, um die von der sunnitischen Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) bedrohte Bevölkerung zu evakuieren, forderte Keßler.


Amirli liegt auf halbem Weg zwischen dem kurdischen Zentrum Erbil im Norden und der Hauptstadt Bagdad im Zentrum des Landes. In Amirli warten nach UN-Angaben bis zu 20.000 Menschen auf Hilfe, die meisten von ihnen gehören der turkmenisch-schiitischen Minderheit an. Lebensmittel würden knapp. In der vergangenen Woche war es durch US-Luftangriffe und den Einsatz kurdischer Militärs gelungen, Zehntausende Jesiden aus ihrer eingeschlossenen Lage im Sindschar-Gebirge an der irakisch-syrischen Grenze zu befreien.

Die Jesiden seien vor allem in das kurdische Autonomiegebiet rund um Erbil geflohen, wo sie auch von Partnerorganisationen der Diakonie Katastrophenhilfe versorgt werden, sagte Keßler. Die Kampflinie liege etwa 40 Kilometer von Erbil entfernt. "Die Stimmung dort ist beängstigend, auch wenn das Leben weiter seinen normalen Gang geht", sagte Keßler, der Anfang der Woche von einer Reise in der Region zurückgekehrt war. "Die Flüchtlinge sind in Kirchen und vor allem in Schulen untergekommen, dort leben nun 25 bis 30 Menschen zusammen in einem Klassenzimmer", berichtete er. Was aus ihnen werde, wenn die Schulferien vorbei sind, sei noch unklar.

Die über das Sindschar-Gebirge geflohenen Jesiden berichten laut Keßler von grauenhaften Erlebnissen: "Sie haben Erschießungen erlebt oder mussten auf ihrer Flucht Kinder im Gebirge zurücklassen und dort notdürftig begraben." Die IS-Kämpfer hätten Frauen verschleppt, um sie zu verkaufen, die Männer und Kinder würden dagegen getötet.

Keßler forderte Schutzzonen, um die Sicherheit der Flüchtlinge zu garantieren. "Dafür wäre ein robustes UN-Mandat hilfreich und auch die Entsendung von Friedenstruppen", sagte er. Die bisherigen militärischen Aktionen gegen die IS-Terroristen von USA, irakischen und kurdischen Truppen reichten für einen dauerhaften Schutz der verfolgten Minderheiten nicht aus. Die bisherige Zurückhaltung der Bundesregierung in Bezug auf Waffenlieferungen begrüßte Keßler: "Waffen können diesen Konflikt langfristig nicht lösen", betonte er.

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