Jeziden warnen vor Völkermord durch Terrorgruppe "Islamischer Staat"

Jeziden warnen vor Völkermord durch Terrorgruppe "Islamischer Staat"
Die jezidische Gemeinde in Deutschland hat vor einem Völkermord an ihren Glaubensangehörigen im Irak gewarnt und die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten.

"Unsere Geschichte geht zu Ende, wenn wir nicht gerettet werden", sagte Ali Rasho von der "Ezidischen Akademie" in einem öffentlichen Appell am Dienstag in Hannover. Am Wochenende hatten Islamisten der Terrorgruppe "Islamischer Staat" das Hauptsiedlungsgebiet der Jeziden im Nordirak erobert. Sie machten nun gezielt Jagd auf die Angehörigen der religiösen Minderheit, sagte Rasho.


Rund 200.000 Jeziden sind nach seinen Angaben derzeit auf der Flucht - fast die Hälfte der jezidischen Bewohner in der Region. Viele hätten Schutz in den Bergen gesucht, wo es jedoch kaum Wasser gebe. Per Telefon stünden viele Jeziden in Deutschland in Kontakt zu ihren Angehörigen im Irak.

"Wir fordern einen humanitären Korridor", sagte Rasho. "Die Menschen müssen herausgebracht werden, oder Lebensmittel und Schutztruppen müssen hineingebracht werden." Rasho forderte die Bundesregierung auf, ihren Einfluss auf die Vereinten Nationen und die irakische Regierung geltend zu machen.

Die Terrorgruppe zwinge die Menschen, zum Islam überzutreten, sagte Kamal Sido von der Menschenrechtsorganisation "Gesellschaft für bedrohte Völker". Jeziden müssten dabei oftmals vor laufenden Kameras Koransuren vorlesen und ihren jetzigen Glauben verleugnen, erläuterte der Historiker und Nahostreferent. Wer sich weigere, werde von den Islamisten hingerichtet. Zudem sprenge die Terrorgruppe jezidische Heiligtümer wie etwa alte Grabanlagen.

Auch christliche Minderheiten im Nordirak bedroht

Auch die christlichen Minderheiten der Region sind Sido zufolge in Gefahr. In der bedrohten Region nördlich von Mossul leben auch viele aramäische, chaldäische oder assyrische Christen. Sie müssten beim Vormarsch der Terrorgruppe ebenfalls fliehen oder konvertieren.

Einziger Ausweg sei eine Kopfsteuer von rund 450 Euro, die regelmäßig an die Islamisten gezahlt werden müsse. Soviel Geld hätten die wenigsten, sagte Sido. Und ob sich die Islamisten dann an die Abmachung hielten, sei auch unklar.

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