Lebenshilfe zieht kritische Bilanz nach erstem Schuljahr mit Inklusion

Lebenshilfe zieht kritische Bilanz nach erstem Schuljahr mit Inklusion
Das Problem sind die Nachmittage, erklärt Holger Stolz, Landesgeschäftsführer des Verbandes "Lebenshilfe".

Die "Lebenshilfe" für Menschen mit geistiger Behinderung hat nach dem ersten Schuljahr mit inklusivem Unterricht in Niedersachsen eine kritische Bilanz gezogen. "Inklusion in der Schule kann funktionieren, aber an den Rahmenbedingungen muss noch dringend gearbeitet werden", sagte der Landesgeschäftsführer des Verbandes, Holger Stolz, am Mittwoch in Hannover dem epd. Große Probleme sehe er etwa in der quasi nicht vorhandenen Hortbetreuung am Nachmittag für behinderte Kinder.

Die Schulen fühlten sich für die Betreuung am Nachmittag nicht verantwortlich, kritisierte Stolz. Faktisch seien behinderte Schüler vom Hort ausgeschlossen. Niedersachsen hatte Anfang August 2013 den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern an Regelschulen verbindlich eingeführt. Die Landesregierung hatte damals ankündigt, bis Ende 2017 insgesamt 550 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen und 1.640 Vollzeitstellen an den Schulen zu schaffen.

Stolz regte an, die noch bestehenden Förderschulen in die Regelschulen räumlich zu überführen. So könne das Fachwissen und die bessere personelle Ausstattung der Förderschulen besser genutzt werden. Denkbar wären Kooperationsklassen mit professionell betreuten Rückzugsmöglichkeiten für Kinder mit Förderbedarf. "Interdisziplinäre Teams könnten Inklusion in der Schule zum Erfolgsmodell werden lassen." Der Inklusionsgedanke müsse stärker in der Gesellschaft verankert werden, sagte Stolz.

Die Lebenshilfe ist eine Elternvereinigung für Menschen mit geistigen Behinderungen. Als Fachverband und Trägerin vertritt sie 113 Mitgliedsorganisationen in Niedersachsen.
 

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