Die politische Karriere der Aung San Suu Kyi

Die politische Karriere der Aung San Suu Kyi
In ihrer Heimat wird sie verehrt wie eine Heilige. Der Hype um ihre Parlamentskadidatur mutet an, als stünde sie vor der Wahl zur Präsidentin. Doch Suu Kyi warnt vor zuviel Euphorie. Sie weiß, die Freiheit ist fragil.

Wo immer sie im Wahlkampf auftaucht, jubeln ihr die Menschenmassen zu. Zum ersten Mal überhaupt kandidiert Aung San Suu Kyi für einen Sitz im Parlament. Frei zu sein und politisch durchs Land zu touren, das ist für Birmas Oppositionsführerin ein seltenes Gut. Denn bis 2010 verbrachte die 66-Jährige mit Unterbrechungen insgesamt 15 Jahre in Haft oder unter Hausarrest.

In das politische Geschehen geriet Suu Kyi, Tochter des 1947 ermordeten Unabhängigkeitshelden Aung San, eher zufällig. Zunächst verbrachte sie einen Teil ihrer Jugend in Indien, wo ihre Mutter Botschafterin war. Später studierte sie im englischen Oxford Philosophie, Politik und Wirtschaft. Mit ihrem Mann, dem 1999 an Krebs verstorbenen britischen Tibetologen Michael Aris, bekam sie zwei Söhne und lebte einige Zeit in Bhutan.

Ihren Wahlsieg erkannten die Militärs nie an

Suu Kyi kehrte erst 1988 nach Birma zurück, um ihre schwer kranke Mutter zu pflegen. In jenem Jahr hatten Studenten Massenproteste gegen das Regime initiiert. Suu Kyi, die im August 1988 ihre erste aufsehenerregende Rede hielt, wurde zur Ikone des Widerstands. Dann kam es innerhalb des Militärs zu einem Putsch, in dessen Folge eine neue Junta die Macht ergriff. Jene Militärs, die das Land in Myanmar umbenannten, ließen die Massenproteste blutig niederschlagen. Auch verboten sie weitere pro-demokratischen Proteste.

Trotzdem wurde im September 1988 die "Nationale Liga für Demokratie" (NLD) mit Suu Kyi als Parteivorsitzender gegründet. Im Juli 1989 stellten die Militärs die Oppositionsführerin zum ersten Mal unter Hausarrest. An den Parlamentswahlen 1990, welche die NLD mit rund 80 Prozent haushoch gewann, durfte Suu Kyi nicht teilnehmen. Den Wahlsieg erkannten die Militärs nie an.

1991 wurde ihr der Friedensnobelpreis verliehen. "Suu Kyis Kampf ist eines der außergewöhnlichsten Beispiele für Zivilcourage in Asien in den letzten Jahrzehnten. Sie ist zu einem wichtigen Symbol im Kampf gegen Unterdrückung geworden", begründete das Nobel-Komitee. Da die Geehrte nicht ausreisen durfte, ihr Sohn Alexander den Preis in Oslo entgegen. Vier Jahre später hob die Junta den Hausarrest gegen Suu Kyi zwar auf, doch frei bewegen durfte sie sich nicht. Zwischen 2000 und 2002 wurde sie erneut unter Hausarrest gestellt, dann wieder ab 2003.

Kehrtwende im Jahr 2009

Suu Kyis Politikstil war nicht unumstritten: Jahrelang befürwortete sie die vom Westen verhängten Sanktionen ebenso wie einen Boykott durch Touristen. Doch Birmas Generäle, die in China, Indien und Ländern des südostasiatischen Staatenbundes Asean treue Verbündete haben, sahen keinen Grund, das Land zu demokratisieren. Im Jahr 2009 vollzog Suu Kyi schließlich eine Kehrtwende.

In einem Schreiben an den damaligen Juntachef Than Shwe erklärte Suu Kyi sich zur Kooperation mit dem Regime bereit. Dazu kam es allerdings nicht. Die Parlamentswahlen vom November 2010 boykottierte die NLD wegen der restriktiven Wahlgesetze. Suu Kyi kam erst kurz danach wieder auf freien Fuß. "Für mich ist sie eine Heldin und eine Quelle der Inspiration für alle, die sich in Birma und weltweit für Menschenrechte einsetzen", würdigte US-Präsident Barack Obama die gerade Freigelassene.

Die derzeitige, vor allem aus Ex-Militärs bestehende Regierung, übernahm die Macht. Über Präsident Thein Sein sagt Suu Kyi, sie halte ihn für einen ehrlichen Mann. Thein Sein war es auch, der eine Gesetzesänderung billigte, die es Suu Kyi und ihrer Partei ermöglichte, an den für den 1. April angesetzten Nachwahlen teilzunehmen. Es gibt gar Berichte, wonach Suu Kyi ein Regierungsamt angeboten wurde. Doch trotz der bisherigen politischen Öffnung bleibt die Friedensnobelpreisträgerin vorsichtig: Die bisherigen Reformen seien noch nicht unumkehrbar.

epd