Wallfahrt als ökumenisches Großereignis

Wallfahrt als ökumenisches Großereignis
Trier ist für die Heilig-Rock-Wallfahrt gerüstet. Mehr als 500.000 Pilger werden zwischen dem 13. April und dem 13. Mai erwartet, darunter auch evangelische Christen. Ausgerechnet eine Reliquie erzeugt ökumenische Aufbruchstimmung.

Der Name kann für Irritationen sorgen: Beim "Heiligen Rock" handelt es sich weder um eine Band noch um ein Mode-Label, sondern um eine der bedeutendste Reliquien der katholischen Christenheit. Die Wallfahrt zum angeblichen Gewand Jesu, die in großen Abständen seit exakt 500 Jahren in den Trierer Dom führt, brachte in der Vergangenheit Millionen Menschen zum Pilgern.

In diesen Jahr soll die Wallfahrt in Deutschlands ältester Stadt auf Wunsch des Bistums Trier ein ökumenisches Ereignis werden. Auch der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, wirbt für eine Teilnahme. Andere bezweifeln indes die Bedeutung "des unechten Untergewandes" für die Ökumene.

Das schlichte bräunliche Kleid mit langen Ärmeln soll Jesus auf dem Weg zum Kreuz getragen haben. Ursprünglich war es leuchtend rot, bis es durch eine unsachgemäße Restaurierung seine Farbe einbüßte.

Im Eröffnungsgottesdienst am 13. April enthüllt der Trierer Bischof Stephan Ackermann den Schrein mit der Reliquie, die ansonsten in einer Kapelle des Trierer Doms unzugänglich aufbewahrt wird.

Vom Heiligen Land nach Trier

Helena, die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, soll das Tuch neben weiteren, gleich kistenweise gesammelten Reliquien im vierten nachchristlichen Jahrhundert von einer Pilgerfahrt ins Heilige Land nach Trier gebracht haben. Bis 1933 wurde der Rock stets frei hängend auf einer durch die Ärmel gezogenen Stange präsentiert, danach fand das kostbare Textil Schutz in einem Glasschrein.

Das Bistum Trier räumt freimütig ein, dass die historische Echtheit nicht bestätigt werden kann. Kein Christ müsse daran glauben. Wallfahrtsleiter Georg Bätzing spricht von einem Symbol, das auf Christus verweise: "Wir verehren kein Tuch hier, wir verehren Christus." Die erste urkundliche Erwähnung der Reliquie stammt aus dem Jahr 1196.

Für nicht wenige Protestanten ist der Aufruf ihrer Repräsentanten zur Teilnahme an der 20. Wallfahrt ein unerwarteter und überraschender Schritt in der Ökumene. Hatte doch Martin Luther scharf und entschieden gegen Wallfahrten allgemein und die 'Bescheißerey zu Trier mit Christus Rock' im Besonderen gewettert.

Schneider ermutigt Protestanten zur Wallfahrt

Der rheinische Präses Schneider, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, hält die Kontroversen von einst für überholt: Die Kritik zur Zeit der Reformation habe mit dem ökumenischen Partner von heute nichts mehr zu tun, sagt der Theologe. Er betrachtet die Trierer Wallfahrt als "authentische Form des Glaubens", zu der er auch als evangelischer Christ einen Zugang habe.

Der Trierer Bischof Ackermann fasst seine Erwartungen an den ökumenischen Teil der Wallfahrt zu dem knappen Motto zusammen: "Nichts erzwingen, alles erhoffen." Besonders viele Hoffnungen verbinden sich mit dem Tag der Ökumene am 5. Mai, wenn alle Geschwisterkirchen - neben den Protestanten auch die Orthodoxen und die Freikirchen - in einer gemeinsamen Prozession vom Trierer Dom aus durch die Innenstadt zum Palastgarten gehen und dort einen Tauferinnerungsgottesdienst feiern.

Während der 31 Tage der Wallfahrt werden zudem täglich um 12.15 Uhr ökumenische Kurzandachten in der evangelischen Konstantin-Basilika gefeiert.

epd