Kardinalsernennungen: Papst stärkt Einfluss der Kurie

Kardinalsernennungen: Papst stärkt Einfluss der Kurie
Wenn Papst Benedikt XVI. am Samstag 22 Bischöfe und Theologen in den Kardinalsstand erhebt, bleibt dies nicht ohne Auswirkung auf die Zusammensetzung des "Senats" der katholischen Kirche. Mit dem vierten Konsistorium seit 2005 erhöht sich die Zahl der Kardinäle auf 213. Von ihnen haben 125 das 80. Lebensjahr noch nicht erreicht und sind damit berechtigt zur Teilnahme an einer Papstwahl. Unter den neuen Kardinälen sind mit dem Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki und dem Jesuiten Karl Josef Becker auch zwei Deutsche.

Die am Dreikönigstag bekanntgegebenen Nominierungen bergen einige Überraschungen: Der Anteil der Italiener und der vatikanischen Behördenchefs im obersten Kirchengremium wird erneut steigen. Von den 22 neuen Kardinälen haben zehn leitende Posten in der Kurie oder in vatikanischen Behörden. Insgesamt erhöht sich die Zahl der Kurienchefs im Kardinalskollegium auf 40, das ist etwa ein Drittel der wahlberechtigten Purpurträger. Beim Konklave 2005 gehörte nur jeder Vierte der Papstwähler zur Kurie.

Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. trieb mit Kardinalserhebungen und Personalpolitik die Internationalisierung der Kurie beharrlich voran. Im Pontifikat von Benedikt XVI. geriet diese Entwicklung etwas ins Stocken. Während sich Benedikt vor allem der Abfassung von Enzykliken und Büchern über Jesus und damit theologischen und liturgischen Fragen widmet, setzt er bei der Leitung der vatikanischen Kurie auf seinen langjährigen Mitarbeiter Tarcisio Bertone. Der dynamische Salesianer hatte seit Mitte der 1990er Jahre als Sekretär der mächtigen Glaubenskongregation eng mit dem damaligen Präfekten Joseph Ratzinger zusammengearbeitet.

Einen Großteil der Namen auf der Liste der neuen Kardinäle schreiben Vatikanbeobachter denn auch dem Einfluss des Kardinalstaatssekretärs Bertone zu. Dieser ist nicht nur bestrebt, im Vatikan Persönlichkeiten seines Vertrauens zu installieren, sondern auch Einfluss auf die Italienische Bischofskonferenz zu nehmen. Gegen den Widerstand der Bischöfe zog er die Zuständigkeit für die Kontakte der Italienischen Bischofskonferenz zur Regierung in Rom an sich.

Nur ein Purpurträger pro Diözese

Strenger als sein Vorgänger achtet Benedikt auf das ungeschriebene Gesetz, wonach es nur einen wahlberechtigten Kardinal pro Diözese geben darf. Damit warten mitunter neue Erzbischöfe großer Diözesen der Weltkirche lange auf den Kardinalspurpur, da ihre mit 75 Jahren emeritierten Vorgänger noch nicht die Altersgrenze erreicht haben, die ihnen die Teilnahme am Konklave versagt.

Überdies verkündete der Papst zum Beginn seiner Amtszeit, dass er sich wieder an die von Paul VI. (1897-1978) vorgegebene Obergrenze von 120 wahlberechtigten Kardinälen halten wolle. Johannes Paul II. (1920-2005) hatte deren Zahl zeitweise auf bis zu 130 erhöht. Da Benedikt vielfach hoch betagte Kirchenvertreter zu Kurienchefs ernennt, die nach kurzer Amtszeit in den Ruhestand wechseln, muss er in raschem Wechsel Nachfolger berufen, die ihrerseits Anrecht auf den Kardinalspurpur haben. Dies erklärt ansatzweise den hohen Anteil leitender Kurienmitglieder unter den Neuzugängen im obersten Kirchengremium.

Von den 22 neuen Kardinälen stammen 16 aus Europa, darunter sind sieben Italiener. Insgesamt stammt etwa die Hälfte der 125 Papstwähler aus Europa, davon 30 aus Italien. Unter den neuen Kardinälen befindet sich kein Afrikaner. Bei dem nächsten Konsistorium, das möglicherweise schon im Herbst stattfindet, könnten nach Ansicht von Beobachtern mehrere lateinamerikanische Erzbischöfe zum Zuge kommen.

epd