TV-Tipp des Tages: "Plötzlich fett!" (Sat.1)

TV-Tipp des Tages: "Plötzlich fett!" (Sat.1)
Ja, die Logik leidet, aber es handelt sich auch um ein humorvolles Märchen für Erwachsene. Was passiert, wenn eine Fette plötzlich schlank wird und ein arroganter Schlaks dick?

"Plötzlich fett!", 30. August, 20.15 Uhr, Sat.1

Da die romantischen Komödien von Sat.1 ein überwiegend weibliches Publikum ansprechen, ist es nicht weiter erstaunlich, dass Aspekte des Erscheinungsbildes immer wieder mal eine gewichtige Rolle spielen. "Dick" wäre für den Zustand, in den sich die Heldin dieses Films gebracht hat, allerdings der pure Euphemismus: Eva Brand (Diana Amft) ist fett. Dass sie Konditorin ist, mag ihr Volumen zumindest zur Hälfte erklären. Die andere Hälfte begreift man, als man ihre Mutter kennenlernt; aber das wäre eine andere Geschichte, die das Drehbuch von Sarah Schnier nur anreißt.

Der Titel "Plötzlich fett!" bezieht sich ohnehin auf Evas Gegenspieler: Nick Feltus (Sebastian Ströbel) ist eine Art Fitness-Guru. Was niemand ahnt: Seine Mitschüler hänselten ihn einst wegen seiner abnormen Korpulenz als "Titten-Nick". Noch heute sucht er deshalb regelmäßig einen Psychotherapeuten auf. Für die dicke Eva, die in einer Tombola einen Tag mit Nick als Fitness-Trainer gewinnt, hat er nichts als Häme übrig. Die Strafe folgt auf dem Fuße, denn als Eva ihn verflucht, fallen die Pfunde über Nacht von ihr ab und ihm zu.

Meisterhafte Maskenbildner

Mehr als drei Stunden hat es jeweils gedauert, Amft und Ströbel in höhere Gewichtsklassen zu hieven. Die Maskerade ist bis in die Wurstfinger gelungen; beide könnten sich stundenlang unerkannt durch Fußgängerzonen bewegen. Vorhersehbar ist dagegen die Entwicklung, die die Handlung nun nimmt: Aschenputtel Eva ist plötzlich umschwärmt und erlebt einen gesellschaftlichen Aufstieg.

Nick dagegen verliert alles, was er hat: erst das Selbstwertgefühl, und dann, als sein Partner (Julian Weigend) ihn reinlegt, auch noch das Fitness-Studio. Und weil er dank seiner Arroganz keinerlei Freunde hat, bleiben ihm nur noch zwei Verbündete: ein an den Rollstuhl gefesselter Anwalt (Wolfram Berger), der weiß, wie es ist, wenn man ausgegrenzt wird; und sein Therapeut (Cornelius Obonya). Der eine erreicht immerhin, dass Nick wieder Geschäftsführer im Studio werden kann, wenn er einen Fitness-Test besteht, und der andere empfiehlt ihm eine Trainingspartnerin, die in kurzer Zeit unvorstellbar viel Gewicht verloren hat: Eva.

Natürlich läuft die Geschichte darauf hinaus, dass sich der fiese Nick der inneren Schönheit seiner Mitmenschen besinnt und sich in Eva verliebt, und weil die Drehbücher von Fernsehfilmen mitunter noch unausgereift sind, geht das auch in diesem Fall etwas zu flott. Sarah Schnier macht es sich auch mit dem Rollentausch zu einfach: Eva fällt vom Dach und müsste eigentlich tot sein, kommt statt dessen aber dünn wieder zu sich. Sicherlich ist "Plötzlich fett!" ein Märchen, aber auch Märchen müssen in sich stimmig sein.

Dass man über dieses kleine Manko hinwegsieht, liegt vor allem an den vielen hübschen Einfällen, mit denen die Autorin gerade das Leben Evas garniert. Und natürlich an den beiden Hauptdarstellern (Regie: Holger Haase): Als Schauspielerin, die ohnehin gern mit ihrer körperlichen Präsenz arbeitet, ist Amft wie geschaffen für komische Szenen wie jene, als die vielen Fitnessgeräte Eva völlig überfordern. Ströbel hat ähnlich witzige Auftritte, als Nick von Akupunktur bis Exorzismus alle möglichen Wege ausprobiert, um so schnell wie möglich wieder abzunehmen. Natürlich gibt es auch einige deftige Scherze auf Nicks Kosten, aber die bewegen sich überwiegend im appetitlichen Rahmen.


Der Autor unserer TV-Tipps, Tilmann P. Gangloff, setzt sich seit über 20 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei Kindern und lebt am Bodensee. Er gehört seit Beginn der 1990er Jahre regelmäßig der Jury für den Adolf-Grimme-Preis an und ist ständiges Mitglied der Jury Kinderprogramme beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

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