Hitze, Gewitter und eine Million Pilger

Hitze, Gewitter und eine Million Pilger
In Madrid ging am Sonntag der Weltjugendtag zu Ende. Mehr als eine Million junge Menschen aus aller Welt feierten mit dem Papst ein Fest des Glaubens und der Freude. Die Teilnehmer reisen zufrieden zurück in ihre Heimat, kritisieren aber die Organisation und die spanische Polizei.

Madrid im August. Die spanische Hauptstadt ist im Hochsommer jedes Jahr leergefegt. Temperaturen von bis zu 40 Grad und nur wenig Abkühlung nachts sorgen dafür, dass viele Madrilenen Urlaub an der Küste machen. Geschäfte bleiben geschlossen, die Zahl der Autos und Fußgänger sinkt deutlich. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Der Weltjugendtag lockte vom 16. bis zum 21. August mehr als eine Million Teilnehmer aus 193 Ländern in die spanische Hauptstadt.

"Die Atmosphäre war wie in einer großen Familie", sagt Karol Szymczyk. Der 25 Jahre alte Informatiker war gemeinsam mit seiner Freundin Karolina Wiater nach Madrid gereist. "Singende und lachende Jugendliche aus aller Welt" bleiben der Medizinstudentin aus Warschau in Erinnerung. "Wir haben in diesen Tagen vier Mal den Papst gesehen", sagen die Teilnehmer einer Gruppe aus dem südspanischen Sevilla. "Das bedeutet uns sehr viel, denn er repräsentiert unseren Glauben."

Wie ein Popstar gefeiert

Nach 2005 in Köln und 2008 in Sydney war der Weltjugendtag in Madrid der dritte im Pontifikat von Benedikt XVI. Der deutsche Papst wurde bei seiner Ankunft am Donnerstag wie ein Popstar empfangen und traf sich im Rahmen seines Besuches auch mit König Juan Carlos, dem Prinzenpaar Felipe und Letizia sowie mit dem spanischen Ministerpräsidenten Zapatero und Oppositionsführer Rajoy. Im Zentrum seines Besuchs standen jedoch die Gottesdienste mit gläubigen Jugendlichen aus aller Welt. Erstmals nahm das katholische Kirchenoberhaupt im Rahmen eines Weltjugendtages vier freiwilligen Helfern der Veranstaltung die Beichte ab. Im Retiro-Park standen 200 weiße, segelförmig gestaltete Beichtstühle für die Teilnehmer aus aller Welt bereit.

Bekenntnis im Grünen: Für die Teilnehmer des Weltjugendtages standen im Retiro-Park im Zentrum Madrids 200 Beichtstühle bereit. Foto: Simon P. Balzert

Die Geduld derjenigen Madrilenen, die nicht an den Strand gereist waren, wurde in diesen Tagen auf eine harte Probe gestellt. "Die Pilger verstopfen die Metro", sagt Laura Vallecillo, "außerdem laufen sie von morgens bis abends durch die Hitze, und dementsprechend riecht es dann in den überfüllten Waggons." Die 22 Jahre alte Studentin macht momentan ein Praktikum - auf ihrem Weg zur Arbeit traf sie in dieser Woche täglich auf mehrere Pilgergruppen. Andere Madrilenen beklagen sich darüber, dass die Jugendgruppen singend und klatschend durchs Zentrum ziehen, ohne sich um rote Ampeln zu kümmern. "Aber irgendwie ist es auch lustig, wenn sich zwei Pilgergruppen aus demselben Land an einer Staßenecke treffen und wild ihre Fahnen schwingen", so die Studentin. "Oder wenn es jedes Mal eine La-Ola-Welle gibt, wenn die Metro einfährt."

Höhepunkt des Papstbesuchs war die Zusammenkunft des katholischen Kirchenoberhaupts auf dem Flugplatz Cuatro Vientos am Rande der Hauptstadt mit den Jugendlichen aus 193 Ländern. "Das war sehr beeindruckend", sagt Christoph Koch aus Solingen. "Eine Million Menschen auf einem Haufen sieht man nicht oft im Leben", so der 27-Jährige. Der Papst forderte die Jugendlichen in seiner Predigt dazu auf, auch bei Ablehnung ihren Glauben mit anderen zu teilen. Wer der Versuchung nachgebe, "seinen Glauben gemäß der in der Gesellschaft vorherrschenden Mentalität des Individualismus zu leben", riskiere, Jesus Christus niemals zu begegnen. Benedikt XVI. rief die Jugendlichen auf, regelmäßig die Messe zu besuchen und die Beichte abzulegen.

Sieben Menschen durch Unwetter verletzt

Seine Ansprache musste er am Samstagabend kurzzeitig unterbrechen, als ein Unwetter einen Lichtmast brach und mehrere Zelte zusammenstürzen ließ. Sieben Menschen wurden dabei verletzt. Zuvor hatten die Gläubigen in Cuatro Vientos teilweise seit dem Morgen auf den Papst gewartet. An einem der heißesten Wochenenden dieses Jahres kühlte die Feuerwehr die wartenden Pilger mit Wasser ab. Insgesamt wurden wegen Folgen der Hitze mehr als 2.700 Teilnehmer medizinisch behandelt, die meisten vor Ort, aber knapp Hundert von ihnen mussten in Krankenhäuser in der Region gebracht werden.

Wenige Stunden vor ihrem Rückflug nach Warschau genießen Karol Szymczyk (25) und Karola Wiater (23) die Sonne auf dem Plaza de España. Foto: Simon P. Balzert

"Vielleicht hätten auch wir schon morgens kommen sollen", sagt Karol Szymczyk, "denn als wir um 18 Uhr an dem Gelände ankamen, wurden wir nicht mehr reingelassen und haben sechs Stunden vor der Absperrung gewartet." Die offizielle Begrüßung des Papstes war für 20.30 Uhr angekündigt. "Gegen Mitternacht drückten andere Pilger dann die Abzäunung nieder, so dass wir aufs Gelände laufen konnten", erzählt der 25-Jährige weiter, "aber die Polizei kam hinterher und wer erwischt wurde, den warfen sie brutal zu Boden. Wir kamen uns vor wie Terroristen."

Polizei hinterlässt schlechten Eindruck

Die spanische Polizei hinterließ nicht nur in Cuatro Vientos einen schlechten Eindruck bei dem Großevent. Auch bei Demonstrationen von Papstgegnern, die in der Innenstadt den Einsatz öffentlicher Gelder für die kirchliche Veranstaltung kritisierten, gingen die Beamten unangemessen brutal gegen Demonstranten und teilweise sogar gegen Journalisten vor. Das Innenministerium hat eine Untersuchung der Vorfälle angekündigt.

Im Abschlussgottesdienst gab Benedikt XVI. den Veranstaltungsort des nächsten Weltjugendtages bekannt. In zwei Jahren soll er in Rio de Janeiro stattfinden. Brasilien und seine Küstenmetropole liegen für Großereignisse deutlich im Trend: Nach dem Weltjugendtag im Jahr 2013 finden in dem südamerikanischen Land 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft und 2016 in Rio die Olympischen Sommerspiele statt.


Simon P. Balzert (26) lebt, studiert und arbeitet seit zwei Jahren in Madrid. Er berichtet für evangelisch.de vom Weltjugendtag in der spanischen Hauptstadt.