Kreuzweg und Schlagstöcke - Weltjugendtag zu Ende

Kreuzweg und Schlagstöcke - Weltjugendtag zu Ende
Zum Abschluss des sechstägigen Weltjugendtags in Madrid hat Papst Benedikt XVI. die jungen Gläubigen zur Gemeinschaft in der Kirche aufgerufen. Ein echter Dialog zwischen Katholiken und Kritikern blieb jedoch aus.

Sie sollten Sauerteig für neue Christen sein, forderte Papst Benedikt XVI. am Sonntag die jungen Katholiken während des Abschlussgottesdienstes des Weltjugendtags in Madrid auf. Echten Glauben müsse man innerhalb der Kirche leben, mahnte er. Einen Tag zuvor hatte Benedikt in einem Priesterseminar vor angehenden Priestern den Zölibat verteidigt und zum Gehorsam gegenüber der Kirche aufgerufen. Solche Botschaften richteten sich an die Gläubigen innerhalb der Kirche. Neue Zuhörer dürfte er für die katholische Kirche in Spanien damit jedoch kaum gefunden haben. Vielmehr wuchs im Laufe des Weltjugendtags in Madrid auch die Empörung.

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Dabei beschäftigen Themen wie soziale Gerechtigkeit, das Verhältnis der ersten zur sogenannten "dritten Welt" oder ethische Maßstäbe in der Wirtschaft seit Monaten die Jugendlichen im krisengeplagten Spanien. Doch ein Treffen zwischen Mitgliedern der spanischen Protestbewegung der "Empörten" und Katholiken war im offiziellen Programm nicht vorgesehen, wie auch einige Gläubige aus Deutschland bedauerten. Das Protestcamp auf dem symbolträchtigen Platz "Puerta del Sol", wo diese Themen seit der ersten Kundgebung am 15. März debattiert wurden, hatte die spanische Polizei vor dem Papstbesuch auf Antrag der Stadtverwaltung sogar geräumt.

Meinungsfreiheit verteidigt

Dennoch gab es bis zuletzt keine Störung der Veranstaltungen des Weltjugendtags. Zu den Gottesdiensten waren keine Protestschilder zu sehen, keine Zwischenrufe störten Andachten. Am Mittwoch planten Atheisten und kritische Christen gemeinsam eine Demonstration gegen den Weltjugendtag, die jedoch nicht dessen offizielles Programm stören sollte. Sie kritisieren die Kosten in Höhe von 50 Millionen Euro als Geldverschwendung, die mit Steuermitteln subventioniert werde. Bis zu 90 Prozent ihrer Spenden werden Großunternehmen durch Steuervergünstigungen wiederbekommen, rechnete die spanische Tageszeitung "El País" vor.

Vatikansprecher Federico Lombardi verteidigte in versöhnlichem Ton die Meinungsfreiheit, doch spanische Kirchenvertreter erklärten die Kritiker zu "Parasiten" und "Provinzlern". Als dann Katholiken am Mittwoch dem Demonstrationszug den genehmigten Weg versperrten, war die Konfrontation nicht mehr aufzuhalten. Katholiken stimmten "Halleluja" an, während die Kritiker Benedikt XVI. abwechselnd als Nazi oder Pädophilen bezeichneten. Dass der Papst in seiner Jugend nicht freiwillig der Hitlerjugend beitrat, wollte niemand mehr wissen.

Am Ende setzte die Polizei auch an den folgenden Tagen wiederholt den Schlagstock ein. Wo die Kritiker des Weltjugendtags auch auftraten, fürchteten die Behörden ein Zusammentreffen mit Gläubigen. Manche Polizeibeamte entschuldigten sich, sie seien pausenlos im Einsatz, andere verprügelten Unbeteiligte. Spanische Journalistenverbände beklagen, auch Berichterstatter seien Opfer der Polizeieinsätze geworden.

Dialog wider Willen

Polizeiketten versperrten auch zeitweise den Zugang zum Platz "Puerta del Sol". Als einige Mitglieder der Protestbewegung der "Empörten" es schließlich doch auf den Platz schafften, kam es endlich zum Dialog mit Pilgern. Beide Seiten sicherten sich gegenseitig Respekt zu - aber es war ein Treffen gegen den Willen von Behörden und offizieller Organisation.

Für den Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) überwogen am Ende aber die positiven Eindrücke. Der Papst habe noch vor seiner Ankunft mit seiner Verurteilung einer Wirtschaft, die die Ethik vergesse, auch eine starke politische Botschaft für den Weltjugendtag verbreitet, erklärte der BDKJ-Vorsitzende Dirk Tänzler. Auch der Kreuzweg, eine Darstellung der Leidensgeschichte Christi, beeindruckte die deutschen Katholiken.

1.500 deutsche Teilnehmer reisten dennoch noch am Samstagabend ab. Ein Wolkenbruch war über dem Flugfeld niedergegangen, auf dem in der Nacht Hunderttausende auf die Morgenmesse des Papstes warteten. Insgesamt waren 16.500 Teilnehmer aus Deutschland angereist, darunter auch 20 Bischöfe.

epd