Christliches Wochenende im Heiligen Land?

Christliches Wochenende im Heiligen Land?
Die Mehrheit im Volk ist dafür, auch Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und die Hotelbesitzer. Sollte die Idee des israelischen Ministers Silvan Schalom Wirklichkeit werden, wird in nicht allzu ferner Zukunft in dem nahöstlichen Land auch am Sonntag geruht werden.

"75 Prozent der Weltbevölkerung handhabt dieses Modell", argumentiert Schalom, der für regionale Entwicklung zuständig ist. In Israel endet die Arbeitswoche bislang am Donnerstagabend und beginnt nach der gesetzlichen Sabbatruhe am Sonntag in der Früh.

Künftig solle Israel "synchron mit der Welt" sein, empfiehlt Schalom. Ein interessanter Vorschlag, finden auch Gewerkschafter, und verlangen noch genauere Informationen. Zu diesem Zweck hat Regierungschef Benjamin Netanjahu eine Sonderkommission aus Regierung, Wirtschaft und der Israel Bank eingerichtet. Das Gremium soll die wirtschaftlichen, sozialen und religiösen Auswirkungen eines freien Sonntags prüfen.

Schaloms Initiative sieht vor, freitags künftig bis 14 Uhr zu arbeiten. Doch nicht überall stößt dieser Vorschlag auf Begeisterung. Aus ultra-orthodoxen Kreisen kommt ein striktes Nein: Am Freitag, so sagen die Frommen, bereiten sich die Familien auf den Sabbat vor. Mit diesen Ritualen, die die Sabbatruhe einleiten, könne nicht erst am Nachmittag begonnen werden.

Sonntags könnten die Frommen Ausflüge machen

Der Sabbat am Samstag ist der gesetzliche Ruhetag in Israel. Die öffentlichen Verkehrsmittel stehen still, Geschäfte sind geschlossen, wichtige Versorgungsdienste auf ein Minimum reduziert. Die säkularen Israelis nutzen den Sabbat für Freizeitaktivitäten am Strand oder Ausflüge. Die religiöse Minderheit besucht Gottesdienste in den Synagogen, arbeitet nicht und benutzt keinerlei elektrische Geräte.

Dabei sind es gerade die religiösen Juden, die nach den Vorstellungen Schaloms Nutznießer des freien Sonntags werden sollen. Sie dürfen am Sabbat nicht mit dem Auto fahren. Fortan könnten sie am Wochenende Ausflüge unternehmen, so der Gedankengang des Ministers, und damit auch den Tourismus innerhalb Israels ankurbeln. Sie könnten an Sport- und Kulturveranstaltungen teilnehmen oder mit der Familie einen gemütlichen Einkaufsbummel machen.

Denn Läden und Behörden sollen weiter am Sonntag geöffnet bleiben, ebenso sollen Busse wie bisher auch sonntags fahren. Sollte dieser Vorstoß Erfolg haben, müssen deshalb auch noch andere Probleme geklärt werden. Rund 30 Prozent der Bevölkerung müssten trotz Reform am Sonntag zur Arbeit erscheinen. Doch wer würde die Kinderbetreuung übernehmen, wenn keine Schule ist?

Araber wollen ihren Freitag behalten

Widerstand kommt auch aus einer anderen Ecke: der muslimischen Bevölkerung. Gegen einen freien Sonntag hätte diese zwar nichts einzuwenden. Aber am heiligen Freitag, an dem zum Gebet gerufen wird, zu arbeiten, kommt für die arabischen Israelis nicht infrage. Der arabische Sektor, der immerhin rund ein Fünftel im Land ausmacht, droht mit Streiks und Protestaktionen.

Schon vor sieben Jahren war in Israel ein Vorstoß gescheitert, die Arbeitswoche nach dem christlichen Vorbild umzustellen. Den Ausschlag gaben damals weder Araber noch orthodoxe Juden, sondern der damalige Chef des Unternehmerverbandes, Stanley Fischer. Er ist heute Chef der Israel Bank, der wichtigsten Finanzinstitution. Sie hält sich vorläufig mit einer Reaktion zurück.

Auch der Verband der Unternehmer zögert vorerst. Eine seinerzeit vom Parlament in Auftrag gegebene Studie hält fest, dass eine Wochenendanpassung vor allem für Einrichtungen von Vorteil sei, die mit ausländischen Partnern zusammenarbeiten. Zudem erhöhe ein längeres Wochenende den Erholungseffekt und die Motivation der Arbeitnehmer, argumentierten Sozial-Experten damals. 

epd