San Francisco stimmt über ein Beschneidungsverbot ab

San Francisco stimmt über ein Beschneidungsverbot ab
Im kalifornischen San Francisco entscheiden die Bürger, ob ihre Stadt die Beschneidung von Babys unter Strafe stellen will. Die Gegner der in Judentum, Islam und in weiten Teilen der US-Gesellschaft praktizierten Beschneidungen haben in San Francisco mehr als 10.000 Unterschriften gesammelt. Im November muss die Stadt daher die Verbotsinitiative bei den Wahlen zur Abstimmung bringen.

In den vergangenen Tagen ist der Konflikt um die Beschneidung eskaliert. Verbotsbefürworter setzten "groteske antisemitische Bilder" in Umlauf, kritisiert die "Liga gegen Diffamierung". Demgegenüber beteuert die kalifornischen Anti-Beschneidungsinitiative "MGM-Bill", die ein "Gesetz gegen männliche Genitalverstümmelung" vorantreibt: Es gebe keine medizinischen Gründe für diese Praxis. Viele beschnittenen Männer fühlten "Zorn, Misstrauen und Trauer", dass man ihrem Körper etwas weggeschnitten habe, heißt es auf der Webseite der Initiative.

Im Judentum werden männliche Babys am achten Tag nach der Geburt beschnitten. Die Beschneidung gilt als Zeichen des Bundes mit Gott. Auch im Islam ist Beschneidung Pflicht. Neben der Beschneidung aus religiösen Gründen hat sich in den USA im Laufe des vergangenen Jahrhunderts die Praxis fast in der gesamten Gesellschaft durchgesetzt, angeblich aus hygienischen und gesundheitlichen Gründen.

Nach Angaben des Zentrums für die Krankheitenkontrolle sind etwa vier Fünftel der US-amerikanischen Männer beschnitten. Doch die Tendenz ist rückläufig. Von der "New York Times" ausgewerteten Studien zufolge werden derzeit noch 30 bis 50 Prozent der männlichen Babys beschnitten.

Gesetz würde nur in San Francisco gelten

Der US-Kinderärzteverband vertritt seit mehreren Jahren die Auffassung, es gebe keine zwingenden medizinischen Gründe zur routinemäßigen Beschneidung. Eltern müssten aber entsprechend "religiöser, kultureller und ethnischer Traditionen" frei entscheiden dürfen.

Vereinzelt bemühen sich "Männerrechtsgruppen" um ein Verbot der Beschneidung von Babys, da dies einer Körperverletzung gleich komme. Man müsse Beschneidung in den ganzen USA zum Verbrechen erklären, betonte Matthew Hess von der Anti-Beschneidungsinitiative "MGM-Bill". Das Engagement in San Francisco sei ein "riesiger Schritt" in Richtung Verbot.

In dem Gesetzesentwurf heißt es, die Beschneidung minderjähriger Jungen sei mit einem Jahr Haft und einer Geldbuße zu bestrafen. Das Gesetz hätte nur im Stadtgebiet von San Francisco Geltung. Es erlaubt keine Ausnahmen für religiöse Beweggründe.

"Angriff auf jüdische Bräuche"

Die Initiative sei ein "Direktangriff auf religiöse jüdische Bräuche", kritisierte demgegenüber der Rechtsexperte des Amerikanischen Jüdischen Komitees, Marc Stern, im Fernsehsender ABC. Sollte San Francisco für die Initiative stimmen, ist nach Ansicht von Juristen mit Verfassungsklagen zu rechnen, da die Vorlage wohl gegen das Prinzip der Religionsfreiheit verstoße.

Beträchtliches Aufsehen erregen gegenwärtig Cartoons auf der Webseite der Anti-Beschneidungsinitiative "MGM-Bill", auf denen ein grinsender bärtiger Jude eine Beschneidung vornimmt. Die Zeichnungen entsprächen "klassischen antisemitischen Vorurteilen", kommentierte die Zeitung "San Francisco Chronicle".

Derartige Kritik hat Befürwortern des Beschneidungsverbots anscheinend zugesetzt. Am Dienstag wurde bekannt, dass in der kalifornischen Stadt Santa Monica eine Initiative nach dem Modell von San Francisco zurückgezogen worden sei.

epd