Massengräber belasten Friedensprozess in der Elfenbeinküste

Massengräber belasten Friedensprozess in der Elfenbeinküste
Dutzende Menschen verschwanden im monatelangen Machtkonflikt in der Elfenbeinküste spurlos. Während das Land allmählich zur Normalität zurückkehrt, suchen Familien der Verschwundenen nach deren Verbleib. Immer wieder werden Massengräber zum Ort der letzten Gewissheit.

Schon seit Jahren organisiert Losséni Foumba auf einem sandigen Bolzplatz in Yopougon, einem der größten Vororte Abidjans, Fußballturniere für Kinder. Doch der Sportplatz in der wichtigsten Hafenstadt der westafrikanischen Elfenbeinküste ist nicht länger mit der Erinnerung an Ballduelle und Tore verbunden. In der vergangenen Woche wurden hier in einem Massengrab Tote entdeckt, Opfer des monatelangen blutigen Machtkonflikts zwischen dem kürzlich vereidigten Präsidenten Alassane Ouattara und dessen abgewähltem Vorgänger Laurent Gbagbo.

"Die Leichen waren nicht besonders tief begraben", beschreibt Foumba die schaurige Entdeckung. "Sie waren nur mit Sand bedeckt. Der Regen hat den Sand weggewaschen und verweste Leichen freigelegt." Noch immer kann er es wie viele der Nachbarn kaum fassen. "Unser Fußballplatz ist ein Massengrab geworden und statt des Balls hätten unsere Söhne womöglich die Schädel der Toten getroffen."

Jedes Massengrab macht den Versöhnungsprozess schwieriger

Erst am Montag waren in Yopougon in einem Massengrab mindestens 50 Leichen entdeckt worden. Es war die zehnte Begräbnisstätte dieser Art, die bisher allein in Abidjan aufgespürt wurde. UN-Menschenrechtsexperten rechnen damit, dass es noch weitere Funde geben wird, die den Versöhnungsprozess in dem tief gespaltenen Land weiter erschweren könnten.

Im Fall des Fußballplatzes von Yopougon waren wohl Gbagbo-Milizen die Täter - sie hatten das Gebiet Monate lang kontrolliert. In anderen Orten, etwa in Duekoue im Westen des Landes, sollen die Kämpfer Ouattaras verantwortlich für den Tod hunderter Menschen sein, deren Leichen in den vergangenen Wochen entdeckt wurden. "Es ist zu früh zu sagen, ob die Toten von Gbagbos Truppen getötet wurden oder Opfer von Racheakten der Ouattara-Soldaten wurden", mahnt ein internationaler Helfer, der anonym bleiben will.

"Die meisten der Opfer trugen keine Uniform", erzählt ein Anwohner, der bei der Bergung der Leichen dabei war. "Auch Frauen und Kinder waren darunter." Es sind zivile Opfer wie diese, die den Aussöhnungsprozess in der Elfenbeinküste schwierig machen dürften. Viele Menschen sind durch das Erlebte traumatisiert.

Der Kampf nach den Wahlen hat die Grenzen vertieft

Die Spaltung entlang ethnischer und religiöser Grenzen, die mit den Wahlen im vergangenen November eigentlich überwunden werden sollte, ist eher tiefer geworden. Jede der einstigen Konfliktparteien versucht nun der Gegenseite die Verantwortung für die schlimmsten Massaker und Verbrechen zuzuweisen. Nach UN-Schätzungen sind in dem Konflikt mindestens 3.000 Menschen ums Leben gekommen.

Seydou Koné, der erst vor wenigen Wochen nach der Flucht vor den Kämpfen in Abidjan wieder in seine Wohnung in der Nähe des Fußballplatzes zurückkehrte, ist aufgewühlt. "Hier haben unsere Kinder ihre Fußballidole nachgeahmt. Viele unserer internationalen Stars haben auf diesem Platz angefangen", sagt er bekümmert. "Aber jetzt ist dieser Platz ein Friedhof. Unsere Kinder haben keinen Ort mehr, um Spaß zu haben."

dpa