Weltwassertag: Die Probleme der durstigen Städte

Weltwassertag: Die Probleme der durstigen Städte
Die Welt lechzt nach Wasser. Es gibt Fortschritte, aber auch die Probleme wachsen: Geburtenraten, Klimawandel, Industriegifte und Verschwendung verschärfen die Situation. Wasser ist eine knappe Ressource. Die UN-Konferenz zum Weltwassertag nimmt die politisch Verantwortlichen in die Pflicht.

Bisher hatten in Südafrika nur die Bewohner der bitterarmen Townships Probleme mit dem Zugang zu sauberem Wasser. Nun fürchten aber auch die Bürger der wohlhabenden Stadtteile und schmucken Vororte in der Millionen-Metropole Johannesburg um ihr Trinkwasser. Denn Gifte aus alten, verlassenen Bergwerken bedrohen die Trinkwasserreservoirs in den Ballungsräumen Südafrikas. Täglich gelangen nach Angaben von Umweltschutzorganisationen zig Millionen Liter hochgiftigen, teilweise radioaktiven Wassers aus den etwa 6000 Schächten von stillgelegten Gold-, Uran- und Kohlebergwerken in den Wasserkreislauf der Region Johannesburg.

UN-Tagung in Kapstadt sucht Antworten

Die Regierung in Pretoria steuert nun nach heftigen Protesten von Umweltschützern und nach langem Zögern mit technischen Maßnahmen gegen die Gefahr an. Es sind weltweit letztendlich immer die politisch Verantwortlichen vor Ort gefragt, wenn es um sauberes Wasser geht. Das ist auch eine Kernbotschaft der internationalen Konferenz zum UN-Weltwassertag 2011 in Kapstadt. Ihr Thema diesmal: "Wasser für die Städte: Antwort auf urbane Herausforderungen." Denn noch immer haben nach Angaben der UN-Organisation Habitat viele hundert Millionen Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser und sanitären Anlagen.

Um den Wassernöten der Metropolen zu begegnen braucht es "eine fundierte Politik und den politischen Willen, sie umzusetzen", betonte der Chef der UN-Organisation Habitat Joan Clos. Der Ex-Bürgermeister von Barcelona fordert ein "stärkeres politisches Engagement auf nationaler und lokaler Ebene". Hintergrund der enormen Probleme sei "eine Krise der politischen Führung, schwächliche Politik und schlechtes Management". Deutliche Worte von einem auf Diplomatie geeichten UN-Spitzenbeamten.

Einiges hat sich verbessert

Dabei sind die Probleme der Wassernot lange bekannt. Seit 1993 treffen sich die Experten aus aller Welt jährlich am 22. März zur Wasser-Konferenz. Für viel Optimismus besteht beim Thema globale Wasserversorgung kein Anlass. Zwar verweisen die aktuellen Habitat-Berichte auf manche Fortschritte: Zwischen 1998 und 2008 haben demnach weltweit über eine Milliarde Menschen zusätzlich Zugang zu Trinkwasser und über 800 Millionen zu sanitären Einrichtungen bekommen. Auch sind demnach über 200 Millionen Bewohner aus Slums in menschenwürdige Unterkünfte umgezogen.

Aber das Wachstum der Weltbevölkerung von jährlich etwa 80 Millionen Menschen "untergräbt jeden Erfolg" im Kampf um menschenwürdige Lebensbedingungen, so Clos. Die städtische Bevölkerung hat seit 1998 um über eine Milliarde Menschen zugenommen. Fast 800 Millionen Menschen müssen heute ohne angemessene sanitäre Anlagen auskommen, weitere knapp 500 Millionen teilen sich Gemeinschaftsanlagen.

Neue Probleme durch Slums und Elendsviertel

Es droht eine weitere Verschärfung der Probleme. Die UN-Prognosen sagen eine weitere Verslumung der Städte in den Entwicklungsländern voraus, vor allem in Afrika. "Die Verstädterung hier ist eine Zeitbombe", warnte Habitat-Experte Daniel Adam (Ghana). Heute leben etwa 50 Prozent der Weltbevölkerung in Städten, in 20 Jahren sollen es UN-Berechnungen nach aber schon 67 Prozent sein - von der dann auf neun Milliarden Menschen angewachsenen Weltbevölkerung. Das bedeutet mehr Elendsviertel und mehr Mangel an sauberem Wasser.

Lagos (Nigeria), Lomé (Togo), Nairobi (Kenia), Johannesburg und Bangkok (Thailand) gehören nach den Worten des Habitat-Fachmanns Piers Cross zu den Städten, die sich besonders große Sorgen machen müssten. Wo das kostbare Nass fehlt, ist es auch am teuersten: Die Ärmsten der Armen müssen laut Habitat für sauberes Trinkwasser bei den Händlern bis zum 50-fachen des örtlichen Wasserpreises zahlen.

"Toiletten bedeuten Würde"

Die Wassernot in der Welt wird auch durch Umweltverschmutzung und Industriegifte verschärft. Zudem fürchten Wissenschaftler, dass der Klimawandel große Mengen Süßwasser vernichtet - abgeschmolzene Gletscher beispielsweise bieten kein Wasser mehr. Die Erwärmung der Erde bringe auch eine Ausdehnung der Trockengebiete. Die erwartete Zunahme der Niederschläge werde nicht helfen, im Gegenteil: Der Regen werde sich Modellrechnungen zufolge ungleich in der Welt verteilen. Gebiete wie das südliche Afrika, der Nahe Osten oder Indien, die heute schon unter Trockenheit leiden, müssten mit noch geringeren Niederschlagsmengen rechnen.

Auch der niederländische Kronprinz Willem-Alexander will in Kapstadt neue Anstrengungen für eine Verbesserung der Lebensbedingungen in den Slums der Welt fordern. Der Königssohn machte in seinem Grußwort vor allem auf die 169 Millionen Menschen aufmerksam, die in den Elendsvierteln keinen Zugang zu einer Toilette hätten. Die Zahl sei seit 1990 sogar um 29 Millionen gestiegen. Er hoffe, dass der Weltwassertag Regierungen und Behörden "inspiriere, härter zu arbeiten und besser zu planen". Denn "Toiletten bedeuten Würde".

dpa