Mönche als Makler: Aufregung auf dem Berg Athos

Mönche als Makler: Aufregung auf dem Berg Athos
Griechenlands Leuchtturm der Orthodoxie und der Geistlichkeit hat erheblich an Strahlkraft eingebüßt. Auf dem Berg Athos sollen ein Abt und mehrere Mönche in zwielichtige Maklergeschäfte verwickelt sein. Der Skandal hat auch die hohe Politik in Athen erreicht.

Eigentlich ist die autonome Mönchsrepublik Berg Athos weltweit als Wiege des orthodoxen Christentums bekannt. Der Gläubige hat das Bild vor sich: Fromme Mönche beten den ganzen Tag und passen auf, dass Ikonen aus byzantinischer Zeit, Gebetsbücher, Bibeln und andere kirchliche Gegenstände unschätzbaren Wertes sowie die architektonisch einmaligen 20 Kloster der Region weiter bestehen.

Doch die Ruhe des "Agion Oros" - Heiliger Berg -, wie ihn die Mönche nennen, wird von einem Skandal erschüttert: Der Abt und die Mönche des Athosklosters Vatopedion sollen einen See, der ihnen vermutlich gar nicht gehörte, gegen Ländereien bei Athen sowie in anderen touristisch entwickelten Regionen getauscht haben. Dabei hätten sie üppige Gewinne in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro gemacht.

Ehemalige Minister beteiligt?

Das dubiose Maklergeschäft hat auch die griechische Hauptstadt Athen erreicht. Das Geschäft soll mit Unterstützung von fünf ehemaligen Ministern der 2009 abgesetzten Regierung des konservativen Ex-Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis möglich geworden sein. Bereits vor zwei Jahren war ein griechischer Staatsminister in der Affäre zurückgetreten. Die Minister hätten "an den richtigen staatlichen Stellen" Druck ausgeübt, damit das Maklergeschäft stattfindet, berichtete die griechische Presse.

Zu dieser Erkenntnis ist nach mehrmonatigen Ermittlungen auch die Mehrheit eines Untersuchungsausschusses des griechischen Parlamentes gekommen. Ob Geld auch in die Taschen der Minister geflossen ist, oder ob sie es getan haben, damit sie die politische Unterstützung der in Nordgriechenland einflussreichen Mönche bekommen, das soll die Justiz herausfinden.

Sondergericht droht

Für die fünf ehemaligen konservativen Minister könnte dies schwerwiegende Folgen haben. Außer dem Ende ihrer politischen Karriere droht ihnen sogar eine mehrjährige Haftstrafe. Das griechische Parlament muss bis Mitte des Monats entscheiden, ob die Immunität der fünf ehemaligen Minister aufgehoben werden soll. In diesem Fall könnten sie vor ein Sondergericht gestellt werden.

Der malerische Vistonida-See in Nordgriechenland war dem Kloster angeblich vor fast 1.000 Jahren von byzantinischen Kaisern vermacht worden. Nach Meinung der Hauptstadtzeitungen trifft das nicht zu. Die Mönche hätten "dem Staat Wasser, Luft und brachliegendes Land verkauft", das ihnen gar nicht gehört habe, und dafür "wertvolle Büros, Grundstücke und Gebäude bekommen", meint fast einstimmig die Athener Presse.

Patriarch will Ermittler schicken

"Wir haben Goldene Bullen von byzantinischen Kaisern", antworten die Mönche. Gemeint sind historische Urkunden. Sogar das geistliche Oberhaupt der orthodoxen Kirche, Patriarch Bartholomäos I. mit Sitz in Istanbul, plant nach Medienberichten Ermittler zum Berg Athos zu entsenden.

Die rund 335 Quadratkilometer große Mönchsrepublik Berg Athos befindet sich auf der östlichsten Landzunge der griechischen Halbinsel Chalkidiki. Dort leben zur Zeit rund 2.500 Mönche. Sie genießen einen Autonomiestatus innerhalb Griechenlands. Die Mönchsrepublik wird vom Rat der Äbte ihrer 20 Kloster verwaltet. Die Regierung in Athen wird von einem Verwalter und der Polizei vertreten.

Kirchlich ist die Landzunge Maria, der Mutter Jesu, gewidmet. Um sie zu ehren, wird seit Jahrhunderten Frauen der Zutritt untersagt. Dies wird auch von der EU anerkannt. Beim Beitritt Griechenlands in die damalige EWG im Jahr 1981 hatte Brüssel die Ausnahme akzeptiert.

dpa